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Fahrbericht Citroën C4 Aircross : Prét-a-porter mit Japan-Technik

27.06.2013 11:10 Uhrvon
Mit dem Citroën C4 Aircross haben die Franzosen nun auch ein kompaktes SUV im Programm. Ebenso wie der größere C-Crosser wurde das Grundgerüst bei Mitsubishi eingekauft.Bild vergrößern
Mit dem Citroën C4 Aircross haben die Franzosen nun auch ein kompaktes SUV im Programm. Ebenso wie der größere C-Crosser wurde das Grundgerüst bei Mitsubishi eingekauft. - Foto: Hersteller

Nach dem City-Crosser hat sich erneut Citroën ein SUV in Japan eingekauft. Der C4 Aircross ist weitgehend baugleich mit dem Mitsubishi ASX. Muss ja nicht verkehrt sein, denn der Franzose sieht schon mal besser aus, ist aber auch teurer. Lohnt der Aufpreis?

Man nehme ein Auto, das bei einem Konkurrenten gebaut wird, baue eine andere Fahrzeugfront vorne dran, klebe überall das eigene Markenemblem drauf und schon ist ein Autobauer in der Lage ein gänzlich neues Segment zu erschließen. Ganz ohne gigantische Investitionen in Forschung, Technik und teure Abnahmen durch die Behörden. Machen wir uns nichts vor, das sogenannte Badge-Engineering gibt es schon lange und viele Hersteller nutzen den Trick um Geld zu sparen.
Eines der ältesten Beispiele sind der Audi 50 und der VW Polo aus den siebziger Jahren.

VW machte es auch mit Ford einst beim Sharan, der als Seat Alhambra und auch als Ford Galaxy gemeinsam in Spanien gebaut wurde. Im Nutzfahrzeugbereich sehen wir fast jeden Tag eine Opel Vivaro neben einem baugleichen Fiat Ducato oder dem ursprünglichen Fahrzeug Renault Trafic an der Ampel stehen. Selbst Mercedes hat durch die Kooperation mit Renault-Nissan den kleinen Transporter Citan in die Modellpalette bekommen. Auch wenn man sich in Stuttgart nach einem ganz schwachen Crashtest darüber kaum mehr freuen dürfte. Der Mercedes Citan hat das Image der Marke ordentlich ramponiert.
Eigentlich nichts dabei also, ein Modell einzukaufen, neu zu bekleben und damit die Modellpalette zu erweitern. Der Kunde wird beim Händler ohnehin eher mit Preisen und Rabatten gelockt. Citroen hat bereits mit dem C-Crosser erfolgreich gemacht. Der ist mit dem Mitsubishi Outlander baugleich. Warum nun nicht den selbst auf dem deutschen Markt gar nicht mal unerfolgreichen Mitsubishi ASX adaptieren. Der war im letzten Jahr das meistverkaufte Modell der Japaner, sogar noch vor dem Kleinwagen Colt. Warum also nicht ein solches Fahrzeug ummodeln und in die eigene Modellpalette aufnehmen? Schauen wir mal genauer hin.

Draufschauen
Wie eingangs bereits erwähnt, der Citroën C4 Aircross sieht besser aus als sein Bruder Mitsubishi ASX. Auch wenn der ebenfalls keinesfalls ein hässliches Auto ist. Die beiden Tagfahrleuchten im Kühlergrill, die in der Optik der DS-Linie von Citroën gestaltet sind, machen sich an dem SUV besonders gut. Das Markenemblem, die beiden ineinandergreifenden Zahnräder, stehen über einem weit öffnenden Lufteinlass und machen sich dort ebenfalls gut. An der C-Säule sind noch Verblendungen im Stil der technisch und optisch aufpolierten DS-Linie. Die schwarze Verblendung erinnert an den kleinen Citroën DS3. Darunter sitzen noch Citroën-eigene Rückleuchten, die dem Stil angepasst sind.

Das Lenkrad kommt aus dem Hause Citroën, das Armaturenbrett ist Mitsubishi.Bild vergrößern
Das Lenkrad kommt aus dem Hause Citroën, das Armaturenbrett ist Mitsubishi. - Foto: Hersteller

Das war es dann aber auch schon mit der Eigenständigkeit. Der Rest ist identisch mit dem Japan-Bruder, inklusive der Blechsicken in den Seiten, den Radhäusern und der Dachlinie samt verchromte Reling. Dennoch ist die Optik im Ganzen doch überraschend weit weg vom Mitsubishi ASX. An den wesentlichen Stellen haben die Franzosen ordentlich gearbeitet und dem Citroën C4 Aircross durch Eingriff an den entscheidenden Stellen eine eigenständige Optik verpasst. Wer es weiß und wissen will, der kann sicher den Japaner erkennen, aber für alle anderen geht der C4 Aircross als Citroën durch.

Reinschauen
Da sind wir dann doch gespannt, wie es im Innern weitergeht. Und hier herrscht erst mal Ernüchterung, denn wir steigen in eine ausgedehnte Plastiklandschaft ein. Und wer zuvor bereits, wie wir, einen Blick in das Interieur der japanischen Vorbilds geworfen hat, der wird so einiges wiedererkennen. Im Innern ist Badge-Engineering vom Feinsten zu sehen. Außer dem Markenlogo auf dem Lenkrad gibt es keinerlei Veränderungen zum ASX. Lediglich das Lenkrad mit den Citroën-typischen Funktionen und der mittlerweile ebenfalls für die Marke typische Plastikverkleidung in Klavierlackoptik um die Klima- und Informationseinheit in der Mittelkonsole versuchen einen Unterschied zu machen. Aber das gelingt nur bedingt und leider übernimmt der Citroën C4 Aircross auch die Schwächen des Mitsubishi ASX. Der Gesamteindruck innen bleibt recht mäßig, die Materialien wirken höchstens durchschnittlich.


Platz nehmen

Die Auflösung der Touchscreen-Navigation ist nicht berauschend, aber das System erfüllt seine Zwecke und bietet alle zeitgemäßen Anschlüsse.Bild vergrößern
Die Auflösung der Touchscreen-Navigation ist nicht berauschend, aber das System erfüllt seine Zwecke und bietet alle zeitgemäßen Anschlüsse. - Foto: Hersteller

Aber es gibt, wie so oft, gute und schlechte Seiten. Und der Franzose übernimmt vom Japaner eben auch die guten. Und dazu gehärt defintiv das sehr ordentliche Platzangebot vorne wie hinten. Die vorderen Sitze sind zudem auch gut konturiert und für das subjektive angenehm straff gepolstert. Und hinten fühlen sich auch Erwachsene wohl, zumindest auf den beiden äußeren Plätzen.
Der Laderaum ist mit 442 Liter ordentlich, aber nicht üppig bemessen. In der Realität ist er, wahrscheinlich durch die nach innen zeigenden Ausbuchtungen der Radkästen, noch mal kleiner. Der Nutzwert ist durch die vergleichsweise hohe Ladekante etwas eingeschränkt. Durch Umklappen der asymmetrisch geteilten Rückbank mit Durchlademöglichkeit (nicht in der Basisausstattung) werden daraus 685 Liter. Das ist in Ordnung, mehr aber auch nicht. An der Bedienung gibt es hingegen nichts auszusetzen. Schalter und Hebel sind gut erreichbar und übersichtlich angeordnet.

Losfahren
Wir haben die Motorisierung HDi 150 mit Vorderradantrieb für unsere Fahrten zur Verfügung. Diese Variante dürfte wohl zu den gängigsten gehören, denn das 1570 Kilogramm schwere Fahrzeug lässt sich mit 150 PS gut bewegen, ist jetzt aber auch nicht übermotorisiert. Erstaunlicherweise wird dieser Motor bei Mitsubishi eingekauft, obwohl der PSA-Konzern durchaus sehr gute Selbstzünder im Regal stehen hat. Angeboten wird aber nur ein eigener Diesel mit 115 PS. Der ist möglicherweise die interessantere Variante, weil er nur 30 Newtonmeter weniger Drehmoment hat und auf den Papier die 100 km/h in der gleichen Zeit erreicht, wie der japanische Diesel.

Das Platzangebot im Innern ist sehr ordentlich. Das Kofferraumvolumen wird durch die nach innen gestellten Radhäuser eingeschränkt und bleibt durchschnittlich.Bild vergrößern
Das Platzangebot im Innern ist sehr ordentlich. Das Kofferraumvolumen wird durch die nach innen gestellten Radhäuser eingeschränkt und bleibt durchschnittlich. - Foto: Hersteller

Die ersten Kilometer mit dem eingekauften Motor bieten wenig Überraschendes, weder im Positiven, wie im Negativen. 300 Newtonmeter werden auf die Kurbelwelle übertragen und sorgen für eine gute Agilität. Das Sechsgangschaltgetriebe lässt sich souverän durchschalten. Der Motor wird untertourig etwas brummelig und obenrum etwas lauter. Aber dafür überzeugt er mit einer guten Kraftentfaltung zwischen 1500 und 4000 Umdrehungen pro Minute.
Das Fahrwerk ist relativ weich ausgelegt, was weniger dem früher gepflegten französischen Geschmack bei Citroën geschuldet ist als dem japanischen Geschmack. Schnelle Lenkbewegungen quittiert er mit einem nachhaltigen Schütteln und in Kurven zeigt er durchaus eine Neigung zum Wanken. Aber das ist alles im normalen Bereich und das Fahrzeug droht nicht außer in Kontrolle zu geraten. Etwas störend sind die deutlich wahrnehmbaren Windgeräusche, die sich bei höheren Geschwindigkeiten einstellen.
Auf dem Papier verbraucht der Citroën C4 Aircross 5,4 Liter auf 100 Kilometer. Das ist in der Realität natürlich kaum zu halten. Wir haben bei einer Fahrt von rund 300 Kilometern bei normaler Fahrweise einen Verbrauch von 7,2 Litern auf 100 Kilometer errechnet. Angesichts eines Mix von 50 zu 50 zwischen Stadt- und Überlandfahrten geht der Verbrauch in Ordnung. Da sich der Aircross in der Stadt gut leicht untertourig bewegen lässt kann er hier mit rund 8 bis 8,5 Litern ganz gute Werte erreichen. Dabei hilft vor allem das tadellos arbeitende Start-Stop-System.


Helfen lassen
Wer beim Citroën C4 Aircross in innovative Assistenzsysteme investieren möchte, sieht sich schnell am Ende der Möglichkeiten. Was die Franzosen sonst so im Petto haben, wie zum Beispiel einen Spurhalteassistenten oder ähnliche Dinge sucht man hier vergebens. Die einzigen Helferlein, die für das Modell zu haben sind, wären das Start-Stop-System oder Bi-Xenon-Leuchten. Gut für alle, die auf solche Gimmicks ohnehin gerne verzichten.


Hören und sehen
Das Navigationssystem samt Entertainmentzentrale zeigt sich normalen Ansprüchen gewachsen, schlägt aber angesichts eines Aufpreises von mindestens 1950 Euro, mit Parksensoren und Rückfahrkamera sogar 2300 Euro, ordentlich zu bei den Mehrkosten. Wer hier sparen möchte kann sich mit einer der günstigen Lösungen von TomTom, Garmin oder Navteq, die Citroën im Angebot hat, begnügen. Auf der anderen Seite kann für 2950 Euro ein Sieben-Wege-Hifi-System mit 30 Gigabyte Festplatte und Touchscreenbedienung entscheiden.


Nachrechnen

Mit Gelände hat der Citroën C4 Aircross, wie viele andere City-SUV, nicht viel am Hut. Für einen schlechteren Feldweg reicht es aber noch.Bild vergrößern
Mit Gelände hat der Citroën C4 Aircross, wie viele andere City-SUV, nicht viel am Hut. Für einen schlechteren Feldweg reicht es aber noch. - Foto: Hersteller

Mit der kleinsten Motorisierung, einem 1,6 Liter großen Benziner mit 117 PS, werden für den Citroën C4 Aircross 23 690 Euro fällig. Unser Testwagen liegt mit dem größeren Diesel bei 29 790 Euro. Der Aufschlag, den Citroën gegenüber dem Mitsubishi ASX verlangt, ist mit 5100 Euro bei unserer Motorisierung ganz schön happig. Bei der Einstiegsmotorisierung sind es ebenfalls schon 4700 Euro. Diese Preisdifferenz wird auch durch eine leicht bessere Ausstattung gegenüber dem japanischen Original nicht wesentlich gemindert. Citroën lässt sich den Stylefaktor ordentlich bezahlen.

Abwägen
Der Citroën C4 Aircross ist ein ordentliches Auto, dass sich nur wenige Schwächen erlaubt. Das gute Raumangebot hat einen großen Wendekreis und einen überschaubaren Kofferraum zur Folge. Motor und Fahrwerk passen gut zusammen und das Interieur ist zwar nicht berauschend, aber in Ordnung. Da der Franzose optisch den besseren Eindruck macht ist er eigentlich die hübschere Variante. Die Preise, die Citroën für den C4 Aircross aufruft, machen den durchaus guten Eindruck leider etwas hinfällig. Der Mehrpreis von mindestens 5100 Euro ist nicht so ganz nachvollziehbar und dürfte im Geschäft mit den Japaner begründet liegen.

Vor allem die Ausstattungspolitik trägt zu dem schwachen ökonomischen Eindruck bei. Schlüssellosen Zugang gibt es nur in der höchsten Ausstattungslinie, Sitzheizung vorne nur gegen 300 Euro extra oder mit dem Lederpaket und die Dachreling nur mit dem Panoramadach für 850 Euro extra. Das dürfte angesichts das Grundpreises etwas kundenfreundlicher ausfallen, auch wenn die Serienausstattung jetzt nicht so kahl ausfällt wie bei vielen heimischen Modellen.

Eine Alternative könnte der kleinere Diesel sein, den Citroën ebenfalls anbietet. Dabei müssen die Kunden allerdings mit etwas weniger Leistung und Ausstattung auskommen, fahren damit aber mit 3800 Euro mehr in der Tasche vom Hof. Ansonsten sollten Interessierte angesichts der derzeitigen Situation auf dem Markt und dem mauen Absatz auch mal ihr Verhandlungsgeschick beim Händler ausprobieren. Da könnte durchaus was drin sein.

Stärken:

Gutes Raumangebot, kräftiger und relativ sparsamer Motor

Schwächen:

recht kleiner Kofferraum, maßige Materialanmutung innen, relativ hoher Grundpreis

Service

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