Wasserstoffantrieb jetzt auch fürs Fahrrad : Mit H2 in die Zukunft radeln

Ab sofort gibt es das Pedelec auch mit umweltfreundlicher Brenstoffzellen-Technik. Vergangene Woche hat Linde sein neu entwickletes H2-Bike in Berlin vorgestellt, das Wasserstoff-Rad von Gernweit folgt Ende Oktober.

Janine Ziemann
Luft statt Strom: The Linde Group hat vergangene Woche sein neu entwickeltes Pedilec H2 Bike vorgestellt. Zur Wiederbefüllung zu Hause wird eine 20-Liter-Gasflasche mit Druckerhöhungsventil benötigt. Der Wasserstoff-Tank muss zur Wiederbefüllung nicht abgenommen werden.
Luft statt Strom: The Linde Group hat vergangene Woche sein neu entwickeltes Pedilec H2 Bike vorgestellt. Zur Wiederbefüllung zu...Foto: promo

Der Volkswagen-Skandal hat weltweit für Entrüstung gesorgt. Doch ein Gutes hatte die Diskussion um den „Clean Diesel“ in jedem Fall: Sie hat den alternativen Antrieben kräftigen Aufwind verschafft. Das freut auch den Technologiekonzern Linde, der seit Jahren neue Möglichkeiten für eine emissionsfreie Mobilität erforscht und sich für den Ausbau der Wasserstoffinfrastruktur einsetzt. Rund 100 Wasserstofftankstellen in 15 Ländern hat das Unternehmen bereits errichtet. Mit dem neu gegründeten Gemeinschaftsunternehmen H2 Mobility Deutschland, dem auch Daimler und Shell angehören, soll den Ausbau der Wasserstoff-Infrastruktur in größerem Stil vorangetrieben werden.

Auch das Ped-Hy-lec von Gernweit kommt Ende des Monats

Anfang vergangener Woche hat Linde in Berlin ein selbst entwickeltes Pedelec vorgestellt, das ohne Batterie auskommt. Eine Brennstoffzelle ersetzt beim „H2-Bike“ den Akku als Speicher. Der Strom zur Unterstützung des Fahrers wird dabei aus Wasserstoff und Sauerstoff, sprich aus Umgebungsluft erzeugt. Schon 34 Gramm des umweltneutralen Gasgemischs ermöglichen eine Reichweite von über 100 Kilometern. Im Gegensatz zum langwierigen Ladevorgang eines E-Bike-Akkus, der mehrere Stunden dauern kann, braucht man für die Befüllung der Wasserstoffflasche nur ein paar Minuten.

Der Prototyp "Ped-Hy-lec" von Gernweit rollte bereits 2012 auf der Straße. Vom neu konzipierten Modell, das Ende Oktober verkaufsreif ist, gibt es noch keine Fotos. Der Waserstoff-Tank wird neuerdings jedoch hinten am Gepäckträger montiert sein.
Der Prototyp "Ped-Hy-lec" von Gernweit rollte bereits 2012 auf der Straße. Vom neu konzipierten Modell, das Ende Oktober...Foto: promo

Die Idee ist nicht neu, doch bislang haben sich nur ambitionierte kleine Fahrradschmieden an die Entwicklung des Wasserstoffantriebs für Pedelecs gemacht. Einer der Pioniere – und einer der wenigen, die bis heute durchgehalten haben – ist Holger Hanisch. Mit seinem Neusser Unternehmen Gernweit tüftelt er bereits seit 2008 am Wasserstoffrad. Sein fahrtauglicher Prototyp „Ped-Hy-lec“ war unter anderem 2012 auf der eCarTec in München und 2013 auf der IAA in Frankfurt ausgestellt.

Letztes Jahr sollte das Fahrrad eigentlich an den Start gehen, doch der Brennstoffzellenlieferant musste seine Produktion einstellen. Ein neuer Lieferant war bald gefunden, doch die Bauart der Zellen wich vom Vorgänger ab, sodass das der Antrieb neu konzipiert werden musste. Doch auch die Gernweit-Räder sind Ende des Monats verkaufsreif.

In puncto Ökobilanz und Alltagsnutzen unschlagbar


Im Gegensatz zum Linde-Bike ist das Ped-Hy-lec mit zwei voneinander unabhängig nutzbaren Wasserstoffflaschen ausgerüstet, sodass immer eine Reserve bleibt, um zur nächsten Auffüllstation zu radeln. Leere Flaschen können einfach gegen neue, gefüllte Flaschen ausgetauscht werden, denn sie sind mit handelsüblichen 300 bar befüllt und mit Standardventilen versehen, sodass keine Abhängigkeit zu bestimmten Wasserstofflieferanten besteht.

In puncto Ökobilanz und Alltagsnutzen ist die Wasserstofftechnik unschlagbar. Die begrenzte Lebensdauer und Entsorgung von Batterien ist mit dem Gasantrieb vom Tisch; gleichzeitig wird eine hohe Reichweite bei sehr kurzer Betankungszeit ermöglicht. Doch leider hat die Sache einen Haken: Das Gernweit-Rad ist nicht unter 7000 Euro zu haben, ebenso die kleine Prototypauflage von Linde. So bleibt nur zu hoffen, dass der Wind um die Abgasaffäre nicht so schnell abflaut, sondern die Industrie zum nachhaltigen Umdenken bewegt, damit die Wasserstofftechnik endlich überall verfügbar – und bezahlbar wird.

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