Politik : ...der Armin für uns wählen geht

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Die Bundestagswahl wird vorgezogen – das hat viele Wahlberechtigte völlig überrascht. Sie hatten damit gerechnet, im Frühjahr 2006 einen Grundkurs „Wählen für Anfänger“ besuchen zu können, ein Auffrischungsseminar „Ankreuzen, aber richtig“ oder gar eine Ferienfortbildung „Stimme abgeben ohne Angst“ in Bad Sachsa mit Probewahlgang und ayurvedischem Abschlussbuffet. Das fällt nun flach, und wir müssen damit rechnen, dass am 18.September unzählige Wahlberechtigte die Kabinen blockieren, weil sie einfach mit dem komplizierten Verfahren nicht klarkommen; sie kreuzen dann CDU und SPD zusammen an, weil sie eine große Koalition wünschen, oder schreiben neben die Listennummer der Linkspartei „Oskar raus!“.

Da musste die Bundestagsverwaltung was tun: Das sind Beamte, die sich mit volkstümlichen Worten schwer tun, aber immer jemanden kennen, der die Ansprache des einfachen Bürgers beherrscht. Auf der BundestagsWebsite steht nun ein Link, „Einfach erklärt, nicht nur für Kinder“ – und er führt zur „Sendung mit der Maus“.

Wie Eingeweihte wissen, gehen sie dort den Sachen wirklich auf den Grund. „Das ist der Armin“, würden sie uns erklären, „der Armin steckt jetzt seinen Wahlzettel in die Urne. Klingt komisch, ist aber so.“ Der Armin muss auch im Internet allerhand durchmachen, beispielsweise beide Hände in Gips tragen, damit wir erfahren, nur in dieser außergewöhnlichen Ausnahmesituation dürfe er sich in der Wahlkabine helfen lassen.

Am besten aber sind die Wahlvorschläge, echte Alternativen, die Lust aufs Ankreuzen machen. Der Listenführer der Gestreiften, Hein Blöd, verspricht beispielsweise „Null Chaos, Durchblick total“, und Käpt’n Blaubär, der Kanzlerkandidat der Blauen, sagt seinen Wählern „Wahrheit nur mit mir“ zu. Das Ergebnis steht auch schon fest, aber es fällt sehr diffus aus, möglich, dass der Elefant mit den Leuten von der Maus koaliert und diese Allianz von den Gestreiften tolerieren lässt.

Fiktiv? Warten wir’s ab. Wenn demnächst Hein Blöd im Wahlbarometer als Politiker genannt wird, dem 60 Prozent der Wähler künftig eine wichtigere Rolle zutrauen, wenn Angela Merkel mit der Maus Kopf an Kopf liegt und Joschka Fischer mit dem Elefanten um die Wette joggt, dann haben die Wähler die kleine Hilfestellung der Bundestagsverwaltung missverstanden. Spätestens in der Wahlkabine kommt dann der Moment der Wahrheit: Wie? Keine Gestreiften? Wo ist die Maus?Und alles nur, weil die Wahlen vorgezogen werden. bm

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