Politik : … der Rap sich wehrt

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Mosh“ fängt übersetzt so an: „Ich schwöre auf die Flagge der Vereinigten Staaten von Amerika, und auf die Republik, für die sie steht...“. „Mosh“ ist von Eminem, und über Eminem gibt es einen inzwischen berühmten Satz: „Die Welt ist verrückt geworden, wenn der beste Golfer ein Schwarzer ist und der beste Rapper ein Weißer.“ In der Tat, es ist schon crazy, wenn der schwarze Tiger Woods im Mondänsport reüssiert und der weiße Eminem im Ghetto-Trash. Es gibt noch andere Beweise, dass die Welt verrückt geworden ist, Guantanamo zum Beispiel. In Guantanamo wurden die Häftlinge mit überlauter, stundenlanger Musik gefoltert. Eminems Songs wurden auch gespielt.

Dass es in Knästen anderswo auf der Welt humaner zugehen kann, ist inzwischen bekannt. In Spaniens Gefängnissen zum Beispiel dürfen sich die Transsexuellen, das sind immerhin 40 Menschen, künftig aussuchen, ob sie lieber im Männertrakt oder bei den Frauen untergebracht werden wollen. Man darf mit Fug und Recht annehmen, dass Eminem, der bekannte Minderheitenverachter, darüber wieder einen ziemlich rüden Text schreiben würde, wenn er von der spanischen Sache wüsste. Der Song würde dann wieder in Guantanamo gespielt werden. Nein, würde er nicht. Eminem will nämlich jetzt die amerikanische Regierung verklagen, weil sie seine Songs zur Folter eingesetzt haben. Dabei geht es wohl eher nicht um Gema-Gebühren, wenngleich aus seinem Umfeld bereits verkündet wurde, dass es kostspielig werden könnte für die US-Regierung.

Der Missbrauch amerikanischer Rockmusik hat eine kleine Tradition. Ronald Reagan zog mit „Born in the USA“ in den Wahlkampf, weil er gar nicht kapiert hatte, dass der Boss, Bruce Springsteen, keineswegs eine Hymne komponiert hatte. Reagan hatte den Text wohl falsch verstanden.

Ähnlich muss es in Guantanamo gewesen sein. Eminem ist nicht gerade das, was man als innigen Freund von George W. Bush bezeichnen würde. Im letzten Wahlkampf zog er offensiv gegen Bush vom Leder. Und in „Mosh“ nennt er Bush eine Massenvernichtungswaffe. Mehr noch: „Stomp, push, shove, mush, fuck Bush, bis er unsere Soldaten nach Hause bringt.“ Es ist wahrscheinlich so, dass die Wächter von Guantanamo den Text nicht verstanden haben.

Aber es hat ja niemand behauptet, dass die Folterknechte von Guantanamo überhaupt irgendetwas verstehen.uem

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