Politik : … der Russe uns rätselhaft wird

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Was macht der Russe derzeit eigentlich so? Geht’s ihm gut? Man hört ja so wenig. Seit uns Gerd Ruge nicht mehr anhand von langen, ruhigen Kameraeinstellungen abendfüllend das beschauliche Leben an sibirischen Flussläufen in die Wohnstuben transportiert, ist der Alltag in Putins Riesenreich für unsereinen doch etwas aus dem Blickfeld geraten.

Im Prinzip ist man angewiesen auf Geschichten, wie sie neulich Alexej Ashurin in Moskau widerfahren ist. Mitten in der dichtesten Rushhour war er mit seinem Volkswagen liegen geblieben – kein Sprit mehr. Ashurin, verzweifelt über das Malheur, hielt, wild winkend, zwei Polizisten an. Die, ganz Freunde und Helfer alter russischer Schule, schoben die Karre an den Straßenrand, wollten schon guten Tag und guten Weg wünschen, als einem von ihnen auffiel, dass das Türschloss des Autos aufgebrochen war. Ashurin, mittlerweile verzweifelt darüber, dass er a) überhaupt und b) ganz offenkundig den Falschen gewunken hatte, konnte das gerade noch erklären – nicht aber, dass auch noch ein Schraubenzieher in der Zündung steckte. Man ahnt es schon, er hatte das Auto geklaut und weil das die Polizisten auch ahnten und sich nach seinen Personalien erkundigten, konnten sie feststellen: Hurra, wir haben einen lange gesuchten Seriendieb gefasst!

Eines lässt sich aus dieser Episode allemal schlussfolgern: In Russlands Straßenverkehr geht viel drunter und drüber, am Ende aber alles seinen geregelten Gang. Beruhigt könnte man sich nun anderen Völkern zuwenden – Was machen die Amis eigentlich im Moment? – doch leider verwischt eine unlängst veröffentlichte Studie den gerade gewonnenen Eindruck recht schnell ins Dunkelgraue. Niemand, haben die Umfrageforscher herausgefunden, treibt es so doll wie die Russen, in ganz Europa nicht. Sie schnallen sich nicht an, fahren besoffen, halten sich nicht an Geschwindigkeitsbegrenzungen, ihnen sind rote Ampeln schnurz – und sie haben, nicht regelmäßig aber „schon mal“, während des Fahrens Sex hinterm Steuerrad. Das alles geben sie obendrein noch derart prahlerisch zu Protokoll, dass die Forscher auf Prozentwerte kommen, von denen sich hierzulande manche Volkspartei eine Scheibe abschneiden könnte, selbst bei der Hinter-dem-Steuerrad-Sache wird locker die 25-Prozent-Marke erreicht.

Donnerwetter, der Russe!, ist man geneigt zu sagen. Und wünscht sich mal wieder einen Dokumentarfilm über die verfehlte Wohnungsbaupolitik des Kreml, lange, ruhige Kameraeinstellungen, die einem den Zustand der russischen Gesellschaft erklären. Vbn

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