Politik : ... die Börse leicht geklopft wird

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Nehmen wir an, Sie geraten einem Krokodil zwischen die Zähne. Was tun? Hier ein Tipp: „Wenn seine Kiefer auf etwas geschlossen sind, möchten Sie entfernen (zum Beispiel, ein Glied), Hahn oder ihn auf der Schnauze lochen. Krokodile öffnen häufig ihre Öffnungen, wenn sie leicht geklopft werden.“ Das klingt, zugegeben, ein wenig seltsam, weist aber in die Zukunft. Denn solche Blüten blühen massenhaft im Internet, und jeder kann sie finden, wenn er planlos zoogelt und gleich noch das genial debile Übersetzungsprogramm aus dem Englischen über die Fundsachen laufen lässt.

Zoogeln? Gleich mehr. Reden wir erst mal von Google, jenem eher virtuellen Unternehmen, das am Freitag mit der Versteigerung seiner Aktien begonnen hat. Eine wacklige Sache, wie es schien, doch die beiden Gründer machen alles richtig, bis hin zu einem coolen PlayboyInterview, in dem einer der beiden ungefähr sagt: „Keine Ahnung, ob der Job nach dem Börsengang noch so viel Spaß bringt.“

Das können wir hier mal dahingestellt sein lassen, denn es ist ganz zweifelsfrei, dass das organisierte Zeittotschlagen via Google zu den großen Zukunftsprojekten gehört. Man kommt davon genau so wenig los wie vom Rauchen. Zoogeln ist eine Art Evolution des Prinzips. Man gibt kein sinnvolles Wort mehr zur Suche ein, sondern Buchstabensalat. „Gfoliho“ zum Beispiel. Dann findet die Maschine nichts, fragt aber zurück: „Meinten Sie Folio?“ Ja gern, und schon sind wir auf einer Seite, auf der gerade ein traulich blickendes Sparschwein filetiert wird – hätten wir nie gefunden sonst.

Oder hier: Kojklu. Gibt es nicht. „Meinten Sie kokulu?“ Klar doch. Schon sind wir auf einer neuen Website, und der Computer fragt, ob er türkische Sprachpakete installieren dürfe? Darf er nicht, und deshalb nur dies: Kokulu kozmetik ürünlerine dikkat!

Zoogeln ist übrigens auch berlinspezifisch. Gibt man „brunzko“ ein, leitet uns das Suchsystem zackbumm zu Willy Bendzko, dem Makler aller Makler, während „Brunzkopf“, uh nein, das ist ein österreichisches Schimpfwort, das sich nicht tagesspiegel-konform übersetzen lässt.

Aber Sie sehen ja, worauf es hinausläuft. Etwa im Jahr 2015 wird die Hälfte der technisch dafür gerüsteten Weltbevölkerung solche Spiele in allen Sprachen spielen, und der Google-Kurs: Bumm! Beschaffen Sie sich irgendwo die Aktien, kaufen Sie, bis der Arzt kommt. Denn: Börsen öffnen häufig ihre Öffnungen, wenn sie leicht geklopft werden. Und notfalls können Sie ja ihren Börsenmakler auf der Schnauze lochen. bm

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