Politik : … die Erde zusammenwächst

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Dass die Welt näher zusammenrückt, wird inzwischen schon fast als Binsenweisheit verkündet. Nur stimmt es leider nicht. New York ist von Berlin aus immer noch nicht mal so eben mit dem Fahrrad zu erreichen. Und wenn man zum Beispiel sein Gemüse auf dem Wochenmarkt in Bangkok kaufen möchte, dann kann man sich dorthin zwar per Internet in Haste-nicht-gesehen hinbeamen, aber eben nur virtuell. Der Rückweg mit all den Tüten voller thailändischer Spezereien wäre heute doch eine arge Schlepperei.

Aber das wird sich in absehbarer Zeit ändern. Dann nämlich, wenn die Welt sich nicht nur im geflügelten Wort näherkommt, sondern tatsächlich. Wie amerikanische Wissenschaftler in diesen Tagen herausgefunden haben, wird sie das tun. Die Kontinentaldrift macht es möglich. Europa und Afrika vereinen sich, Australien verlässt Downunder und wandert nach Norden, Asien entgegen, Nord- und Südamerika wollen dann auch nicht abseits stehen, sondern robben sich über den großen Teich, ja, selbst die Antarktis gibt ihr Schattendasein auf und strebt die Verbrüderung an. Am Ende: die Erde, ein einig Klumpen Kontinent.

In absehbarer Zeit? Je nun, der eine oder andere von uns wird das möglicherweise nicht mehr erleben. Die Forscher prophezeien die Wiedervereinigung der Kontinente irgendwann in 100 Millionen Jahren. Dann, endlich, endlich, wächst zusammen, was zusammengehört: die Menschheit. Vermutlich wird es an der einen oder anderen Grenze ein wenig Geschubse geben. Etwa wenn die Menschen Afrikas nicht mehr den allzu oft mörderischen Seeweg nehmen müssen, um in ein besseres Leben zu fliehen, aber das sollte sich regeln lassen.

Auch fraglich, ob der Ballermann auf Malle überleben wird, wenn es das Mittelmeer nicht mehr gibt und niemand mehr eine Insel ist. Dann müssen außerdem die Briten umdenken, die bisher stets den Kontinent abgeschnitten wähnen, wenn um ihr Inselchen der Nebel wabert. Derselbe Kontinent, Teil des Ganzen.

Aber andererseits herrlich: im Interkontinental-Express in einem Rutsch und gemütlich von Johannesburg nach Peking oder von Rio nach Wilmersdorf. Bis dahin sollte sich Bahnchef Mehdorn allerdings noch einen Ruck geben und das Kurzdach im Berliner Hauptbahnhof verlängern. Sonst steht der sonnenverwöhnte Rio-Reisende plötzlich im Berliner Regierungsviertel im Regen. Und das wäre ja sozusagen ein Wermutstropfen in der ganzen schönen kontinentalen Wiedervereinigung.uem

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