Politik : ... die Liebe ambulant behandelt wird

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Ach, Kindheit! Unbeschwert über Stock und Stein springen, der Mutter ein Blümlein rupfen, dem Vater die Pantoffeln bringen und, ja, spielerisch die Welt begreifen. So viel Idylle ist freilich selten geworden in diesen Zeiten, der Druck auf unsere Jüngsten steigt und steigt. Manch Zehnjähriger weiß kaum noch, wovon er seine Handyrechnung bezahlen soll, und für die Sitzung bei den Jungen anonymen Alkoholikern hat er in seinem Terminkalender längst keinen Platz mehr. Von geregeltem partnerschaftlichen Sex wollen wir in diesem Zusammenhang gar nicht erst reden; das heißt: eigentlich doch.

Es ist ja bekanntlich so, dass unsere Kinder, kaum haben sie das unfallfreie Lesen gelernt, mit Dr.Sommer und seinem Team konfrontiert werden. Das Grundschulzentralorgan „Bravo“, früher unerschöpfliche Quelle zerstückelter PopstarPlakate und langer Hitparaden, hat ja längst auf die wirklich wichtigen Themen umgeschaltet: Wie öffne ich eine Kondomverpackung? Wie geht ein richtiger Blow Job? Mein Freund möchte, dass iches ihm mit der Peitsche ...

Na, so in dieser Richtung. Nichts dagegen! Irgendjemand muss das ja erläutern. Nur ist es verdammt schwer, geistig-moralisch den Durchblick zu behalten, wenn man gerade erst abgestillt wurde und dann sofort unter zehn verschiedenen Verhütungsmethoden eine Vorauswahl treffen soll.

Dass das zu Verspannungen führt und gravierenden seelischen Krisen, liegt auf der Hand. Doch unsere Gesellschaft will es, dass sie stets nicht nur die Krise erschafft, sondern auch die Mittel zu ihrer Bewältigung, und so werden heute die ersten Kinder zur Münchener „First Love Ambulanz“ kommen, die gestern der Presse vorgestellt wurde. Wer mindestens zehn ist, an seiner eigenen körperlichen Entwicklung zweifelt und von den Eltern nur hört, das gehe den Bienchen und Blümlein auch nicht anders, der erfährt hier Trost und Rat. Welche Körbchengröße macht zwölfjährige Jungs am meisten an? Reicht die Kohle von der Konfirmation fürs Fettabsaugen? Nach der Schule zum Hort – oder gleich in den Swingerclub?

Ach, vermutlich ist ja alles ganz anders und hochseriös, wenn es erst einmal losgeht. Zur Eröffnung war allerdings die Faustkämpferin Regina Halmich da, nicht unbedingt eine Meisterin psychologischen Einfühlungsvermögens, und außerdem eine gewisse Margit Tetz, Pseudonym: Dr.Sommer. Sie wird sicher mal geschaut haben, ob es ein paar neue heiße Sextrends gibt im Gitterbettchen. Ach, Kindheit... bm

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