Politik : … Geld duftet

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Hessens Ministerpräsident Roland Koch hat mal auf die Frage, wie Deutschland rieche, geantwortet: „Neutral.“ Neutral, das ist der brutalstmögliche Konsens, oder anders ausgedrückt, neutral ist irgendwie uninspirierend. Der Rest Hessens will aber nicht neutral sein und nicht uninspiriert, deshalb hat Hessen dieser Tage ein Parfüm auf den Markt gebracht. Dem Vernehmen und Anke Koch nach, der Frau von Roland Koch, riecht es frisch und leicht blumig, auch der Begriff innovativ fiel bei der Vorstellung.

Ja, wonach sonst? Nach Äppelwoi? Das gärt leicht. Nach Handkäs’ mit Musik, jener Frankfurter Spezialität mit einem Harzer Roller im Mittelpunkt? Handkäs’ mit Musik geht olfaktorisch gar nicht, weil die Musik von den Zwiebeln kommt, die zum Harzer gereicht werden und nach Verzehr ordentlich außerordentliche Gase produzieren.

In diesem Zusammenhang sei kurz an Vespasian erinnert, der seinerzeit in Rom die Steuer auf öffentliche Aborte mit dem Hinweis „pecunia non olet“ verteidigte. Genau, Geld stinkt nicht, Geld soll riechen, frisch und leicht blumig. Das hessische Parfüm mit dem überraschenden Namen „Inspire“ wurde von der Wirtschaftsförderungsgesellschaft ersonnen und soll Geld bringen, pro 30-Milliliter-Flakon 49 Euro. Ein bisschen ist aber auch Herrn Kochs Neutralitätsanspruch in den Duft eingeströmt. „Inspire“ wird als Unisex-Produkt für Mann und Frau angeboten, ist also geschlechtsneutral.

Ob sich diese Erwerbsquelle übertragen lässt? Schwer zu sagen. Wer möchte sich wohl zum Beispiel mit Mecklenburg-Vorpommern einstäuben? Ehrlicherweise müsste aus dem Parfüm Mecklenburg-Vorpommerns gleichermaßen ein Hauch von Kuh und eine Note Fisch entweichen. Beides ist aber manchem anrüchig. Oder Sachsen-Anhalt: Wie, bitte, riecht Sachsen- Anhalt? Leicht bitterfeldig wahrscheinlich. Na, wer’s mag. Auch über „Burlesque“ für das Rheinland will man angesichts all der dampfenden Leiber im nahenden Karneval lieber nicht nachdenken. Über „Grill“, was Thüringen repräsentieren könnte, auch eher nicht.

Schnuppern wir am Ende nach Berlin rein, wo es die Berliner Luft in Dosen schon zu kaufen gab, als Hessen noch nach Grenzgebiet roch. Ein Verkaufsschlager mithin und als Abschluss des Waldbühnenkonzerts der Philharmoniker alljährlich ein Hit. Aber Berliner Luft als Parfüm? Das wird ganz schwierig umzusetzen sein. Nichts im Flakon, Leere im Zerstäuber – ja, riechen Schulden überhaupt? Der Name fürs Berliner Parfüm wäre allerdings leicht zu finden: „Poverty“. uem

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