Politik : … Koch für Deutschland kämpft

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Fußballerisch ist von Roland Koch wenig bekannt. So viel dann aber doch: Als Schüler wurde Hessens heutiger Ministerpräsident immer ins Tor gestellt. Die Mitschüler wollten’s so. Auf Schulhöfen werden ins Tor nur die Dicken und Doofen verpflichtet. Dick und doof war Roland Koch nicht, beileibe nicht, aber dick und doof umschreibt in diesem Fall ja auch nur die fußballerische Kaste, die es nun gar nicht kann. Man tritt im Übrigen Roland Koch nicht zu nahe, wenn man ihm dribbelfertiges Talent und fußballerisches Wissen abspricht, er hat das selbst einmal zugegeben. Wahrscheinlich glaubt er auch noch, Berti Vogts sei irgendwann einmal Geoff Hurst hinterher gerannt. Ist er aber nicht. Ja, man kann sagen, Roland Koch versteht vom Fußball so viel wie Ronaldinho von Hartz IV. Organisieren kann Koch besser, weiß Gott.

Ronaldinho und seine brasilianischen Freunde sind nun auch gelandet. Bei den Frankfurter Freunden. Um 23 Uhr 11, eine Zeit mithin, zu der Ministerpräsidenten mal langsam ins Bett gehören, um anderntags wieder regieren zu können. 150 Journalisten waren gekommen, als der künftige Weltmeisterschaftszweite (ist ja wohl klar, wer Meister wird) landete. Die U12-Mädchenmannschaft der SG Wiking Offenbach überreichte gelb-grüne Blümchen. Und Ronaldinho sprach in die Mikrofone von TV Globo und lächelte in die Kameras. Weiß Gott, organisieren kann der Koch. Er war zur Stelle, als die Kameras aufleuchteten, als Ronaldinho sprach, als die Welt glänzende Augen bekam in Angesicht der Göttlichen. Da war Roland Koch an Ronaldinhos Seite, grinsend, mitten im Bild. Und dann immer wieder. Man wird Kochs Gesicht jetzt kennen drüben in Ipanema. Wer Koch ist, sagte die Reporterin, „na irgendein Gouverneur eben“. Reicht es denn nicht, wenn sich Koch in den kommenden Wochen auf den Tribünen des Landes die Regeln erklären lässt. Muss er da noch als Frankfurter Nachtgespenst die Brasilianer durcheinander wirbeln?

Ein bisschen erinnert das an einen anderen Politiker aus Kochs Partei. Auch einer, der fußballerisch nicht so viel drauf hatte, aber immer mitten dabei. Damals, 1986 in Mexiko herzte Kanzler Helmut Kohl nach dem Spiel die vorbeiflanierenden deutschen Spieler doch auch arg penetrant und den Rummenigge so heftig, dass dem die Luft wegblieb. Andererseits: Es waren ja Verlierer, denen Kohl bei Seite stand. Vielleicht ist Kochs nächtlicher Einsatz doch ein gutes Omen. uem

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