Politik : … Kuwaiterinnen wählen

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Es ist noch eine gute Woche hin bis zu den Wahlen in Kuwait, und wahrscheinlich ist das hier heute schon so ziemlich die letzte Gelegenheit, sich noch mal vernünftig darum zu kümmern. Der Termin für den Urnengang ist der 29. Juni. Man hört ja so wenig von da unten, bestimmt plätschert der Wahlkampf gerade träge zwischen den Übertragungspausen der WM-Vorrunde vor sich hin. Mal verspricht ein Scheich eine neue Eislaufbahn. Dann ist wieder die Begrünung der Autobahnböschung ein Thema. Solche Sachen. Auch das Ereignis selbst droht ein wenig, nun ja, zu versanden. Andere Dinge sind wichtiger. Anderntags wird in Berlin das erste Viertelfinale stattfinden. Für Kuwait bleibt da nicht viel.

Das ist ein bisschen schade, denn gerade die Deutschen haben sich seinerzeit ja wahnsinnig viel Mühe gegeben, den Kuwaiter nicht nur symbolisch ein bisschen den Rücken zu stärken, damals, als das mit dem Frieden in der Region noch nicht zum Allerbesten bestellt war, weil es dem bösen Nachbarn Irak nicht gefiel. Es wurden eigens ein paar Spürpanzer in die Wüste gerollt, aus deren Heck jeweils ein Gummiarm hing, mit dem man dann im Bedarfsfall Bodenproben hätte entnehmen können, für den Fall etwa, dass Saddam Giftbomben hätte schmeißen lassen. Ein mühsames Geschäft – nicht das Schmeißen, sondern das Nachschauen, was da nun genau geschmissen wurde. „Das ist ja eine wahnsinnige Fummelei“, stöhnte auch der seinerzeitige Verteidigungsminister Peter Struck, als er sich das bei Brüllhitze mal amtshalber anschauen musste, augenscheinlich nur mäßig überzeugt, wie stabilisierend genau das alles wohl im Ernstfall wirken würde. Es kam dann ja anders, wie man weiß.

Kuwait ist irgendwie auch von ganz alleine stabil geblieben. Mittlerweile bauen sie mit ihrem vielen Ölgeld nicht nur Wolkenkratzer. Im vergangenen Jahr hat das Parlament sogar beschlossen, den Frauen das Wahlrecht zu geben. Am 29. Juni ist es also so weit – ein historischer Tag, auch, wenn nicht jeder daran teilnehmen wird. In Kuwait ist es Usus, dem heißen Sommer zu entfliehen. Damit die Wahlbeteiligung höher liegt als in Sachsen-Anhalt, hat die kuwaitische Fluglinie Jazeera Airways nun allen Frauen angeboten, kostenlos zur Wahl in die Heimat zurückfliegen zu können. Das ist eine schöne Geste, auch wenn sie das bei solchen Gelegenheiten gerne in Anspruch genommene geflügelte Wort widerlegt, wonach Demokratie mit Geld nicht zu bezahlen sei. Vbn

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