Politik : ...Pavarottis Küche kalt bleibt

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Es ist ja nicht so, dass dieser Welt irgendetwas fremd wäre. Olympische Medaillen, die mit Fremdurin erpieselt werden, das Werfen von organischen Nahrungsmitteln nach ahnungslosen Bundeskanzlern – der Mensch ist ein Abgrund. Das wiederum wusste schon die Antike. Was die Antike auch wusste: Menschlicher Gesang kann Steine erweichen. Orpheus, der Ursänger etwa . Zwei Klampfengriffe, ein lupenreines Dore-mi-fa- sol-la-si-do – schon wedelten alle Höllenhunde lustig mit den Schwänzen, und er hatte seine Eurydike wieder. Dass er sich fünf Minuten später nach ihr umdrehte und alles zunichte machte, haben Gender-Experten längst als das interpretiert, was es ist: ein Opfer für die Kunst, die Opferung für einen guten Zweck. Mit Gattin an seiner Seite nämlich, so die Forschung, mit Rasenmäher in der Doppelgarage und Cerankochfeldern in der Küche hätte Orpheus, der Ursänger, sein Lebtag keinen vernünftigen Ton mehr über die Lippen gebracht. Und das wäre, musiksoziologisch gesehen, doch einigermaßen bedauerlich gewesen.

Apropos Kochen: In Hamburg kommt heute ebenfalls für einen guten Zweck jene Küchenzeile unter den Hammer, die sich Ex-Star-Tenor Luciano Pavarotti anlässlich seines Abschiedskonzerts in seine Hotel-Suite im Le Royal Meridien einbauen ließ. Der Mann liebt eben Pasta und fette Hühnerbrühe und hat dies nie verleugnet. Pavarotti-Fans mögen sich also ab 16 Uhr im Küchenstudio Kallensee, Eppendorfer Weg 265 in Hamburg einfinden. Dort steht die Zeile „Emotion“ by Küchentreff incl. eines Siemens-Cerankochfeldes à 3000 Euro sowie eines Edelstahl-Kühlschranks Cool-Media mit eingebautem LCD-Flachbildfernseher à 2800 Euro. Mindestgebot: je 950 Euro.

Lukrative Sache. Zwei Fragen allerdings brennen einem auf der Zunge: 1. Warum so billig, und hat „Big P.“ die Geräte durch brachiales Dauerbrutzeln am Ende bereits demoliert? 2. Was wird bei der Versteigerung auf dem Cool-Media-Screen zu sehen sein? Videos aus der Tiefkühltruhe belcantistischer Erinnerungen? Alfredissimo auf Italienisch? Oder, beispielgebend, Inge Meysels Sterbebett, das jüngst der „Hamburger Möbelhilfe“ zu Gute kam? Die Antwort auf die erste Frage findet sich im Kleingedruckten: Selber gekocht, na jaaa, habe „Fat Pav“ in der Küchentreff-Küche, ähm, nicht direkt. Aber sein Mineralwasser habe er dort aufbewahrt. Mineralwasser? Jedenfalls wissen wir jetzt, warum der Tenorissimo nicht mehr singen kann: Er macht die Uschi- Glas-Diät. Keinen Gusto mehr auf gar nix. Zum ersten, zum zweiten und zum dritten. Le.

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