Politik : … Sex und Politik eins werden

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Wahlkampf – das ist Ausnahmezustand für jeden ehrgeizigen Politiker. Das Gehirn läuft im Notprogramm, schwere Ausnahmefehler drohen, blödsinnige Versprechungen gehen über die Zunge wie nix. Besonders ehrgeizige Politiker sind für diesen Effekt besonders anfällig, und deshalb hat Silvio Berlusconi jetzt einem Pfarrer bei einer Wahlkampfveranstaltung in Sardinien versprochen, er werde bis zur Wahl am 9. April auf jeglichen Sex verzichten.

Der Pfarrer, immerhin, war davon so beglückt, dass er Berlusconi seinen Segen gab, obwohl der doch verheiratet ist und die aktuelle Papst-Enzyklika gegen Sex in der Ehe an sich überhaupt nichts hergibt. Dennoch dürfte das Keuschheitsgelübde für das Wahlergebnis Folgen haben. Es könnte beispielsweise sein, dass der Ministerpräsident dem Thema Sex ohnehin längst abgeschworen hat und in den kommenden Monaten nichts missen muss; dann wäre allerdings zu befürchten, dass sie droben den Schwindel bemerken und den Segen alsbald annullieren. Ein epochaler Sieg für Romano Prodi, den politischen Gegner, wäre unausweichlich.

Ist Berlusconi aber wirklich jener Sexprotz, als der er sich gern stilisiert, gibt es zwei Möglichkeiten. Entweder liegt die moderne Sexualwissenschaft richtig. Dann wird der Regierungschef in den kommenden Wochen zunehmend nervöser und reizbarer, verliert Konzentrationsfähigkeit und gute Laune. Mit anderen Worten: Er kann die Wahl ebenfalls vergessen.

Oder es haben die traditionell orientierten Freudianer mit ihrer Theorie der Sublimierung Recht. Dann wird Berlusconi die für den Sex nicht verpulverte Energie ganz auf den Wahlkampf fokussieren und zu unerwarteten geistigen Höhenflügen aufbrechen; denkbar wäre im Erfolgsfall sogar eine Änderung seiner politischen Programmatik in Richtung Prodi. Doch dann können die Wähler auch gleich das Original wählen, nicht wahr?

Per saldo bleibt Berlusconi also nur die Zustimmung frustrierter Singles, die bis April auch keinen Sex in Aussicht haben und sein Versprechen als Solidaritätsbekundung nehmen. Toll, würden sie sagen, da hat er diese scharfe Braut geheiratet und ist doch einer von uns geblieben. Den Mann wählen wir!

Wahrscheinlicher ist allerdings, dass er einfach seinen Kontrahenten in die Falle locken will. Das Kalkül: Romano Prodi, in Panik, verzichtet bis April auf Antipasti, Pasta und Barolo, widersteht standhaft der Versuchung, die eine dampfende Pizza Quattro Stagione verkörpert, und trinkt nur noch deutschen Filterkaffee. Dann nämlich hat er die Wahl verloren. So was segnet kein italienischer Priester. bm

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