Politik : ...sich die Erdachse verschiebt

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Liebe Leser. Amerika hat gewählt. Es ist vorbei. Sie kennen das Ergebnis.

Bei den Wahlen in den USA ist es folgendermaßen gelaufen. Die Demokraten haben 10000 Rechtsanwälte beauftragt, um aufzupassen, dass die Republikaner nicht schummeln. Die Republikaner haben ihrerseits 10000 Rechtsanwälte auf die Demokraten angesetzt. Bürgerrechtsgruppen vermuteten, dass man ganz generell die AfroAmerikaner bei der Wahl beschummeln möchte, und haben 6000 Rechtsanwälte, meist afro-amerikanische, damit beauftragt, aufzupassen. Die Vereinigung Republikanischer Anwälte hält es für denkbar, dass die Republikaner so geschickt beschummelt werden, dass nicht einmal die Anwälte der Republikanischen Partei etwas mitkriegen. Also setzte die Vereinigung Republikanischer Anwälte 1000 eigene, besonders ausgeschlafene Anwälte als Wahlbeobachter ein. Das US-Justizministerium hat zur Überwachung ebenfalls 1000 Anwälte eingesetzt. Die OSZE dagegen macht sich Sorgen, dass bei der Wahl trotz allem irgendwie Schummelei im Spiel sein könnte, deswegen sind 100 internationale Wahlbeobachter in die USA gereist, darunter sehr viele Anwälte sowie Rita Süßmuth. Der Regisseur Michael Moore hat, um ganz sicher zu gehen, auf private Kosten weitere 1200 Wahlüberwacher mit Kameras eingesetzt, darunter etliche Rechtsanwälte.

Dies macht, alles in allem, grob geschätzt, 30000 Rechtsanwälte plus Rita Süßmuth. Die Wahlen in den USA waren das größte juristische Massenereignis der Menschheitsgeschichte! Auf den Wiesen vor den Wahllokalen haben vermutlich, unter Mitwirkung von engagierten Rechtsanwältinnen und tüchtigen Rechtsanwälten, zahlreiche Liebesakte, Geburten und Todesfälle stattgefunden. Ein Woodstock der Schriftsätze war das. Eine Orgie der Einsprüche. Eine Love Parade mit Paragraphen dran. Die Zahl der eingesetzten Rechtsanwälte entsprach außerdem vier gefechtsbereiten Infanteriedivisionen oder der Truppenstärke der Konföderierten in Bull Run, bei der ersten großen Schlacht des Bürgerkrieges. Wenn aber alle 30000 Anwälte im Chor rufen: „Einspruch, Euer Ehren!“, dann verschiebt sich die Erdachse. Vielleicht kommt ein Rechtsanwalt mit seiner Wahlbeschwerde zum Supreme Court durch, dem obersten Gericht. Leider ist einer der neun Richter, der 80-jährige William Rehnquist, schwer erkrankt. Deswegen könnte es bei der Beschwerde zu einer 4:4-Entscheidung kommen, unentschieden, neue juristische Probleme… Ob die Wahl wirklich vorbei ist, weiß man nicht. mrt

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