Politik : ... uns die Zeit nicht mehr davonläuft

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Heute Nacht werden die Uhren umgestellt. Sommerzeit, na endlich! Die Tage werden wieder länger, wie man so schön sagt. Gut, der Biorhythmus dreht zunächst ein paar unnötige Kringel, aber das soll hier und heute wahrlich unser Thema nicht sein. Wer sich dafür interessiert, der darf sich auf den „Sonntag“ freuen, da gibt es dann im Tagesspiegel, passend nach der viel zu kurzen Nacht, das große Wochenendinterview mit dem bekannten Schlafforscher Jürgen Zulley.

Aufgeweckte (!) Leser werden trotz des etwas holprigen Vorlaufs gemerkt haben, dass es in diesem Text offenbar um Zeit gehen wird. Man hat ja stets zu wenig davon, und irgendwann kommt dann, leider, der Tag, da hat man gar keine mehr. Bitte, das ist nun mal der Weg alles Irdischens, der Volksmund hat dafür sogar die schöne Formel – Seine Zeit ist abgelaufen. – parat; auch wenn das die wenigsten wahrhaben wollen. Die Stones haben mal getextet „Time is on my side“, allerdings kann man dem Lied bei aller Liebe nichts Transzendentales unterstellen. Näher kam dem Phänomen Anfang der 70er Jahre ein Schlagersänger namens Barry Ryan, der sich dazu textlich wie folgt einließ: „Die Zeit macht nur vor dem Teufel Halt, denn er wird niemals alt, die Hölle wird nicht kalt.“ Ryan, so muss man es wohl sagen, hat damit allerdings weder einschlägige Debatten um die Vergänglichkeit an sich belebt, noch hat damals etwa die Uhrenindustrie einen Anlass gesehen, ihre eigene Zuverlässigkeit unterstreichen zu müssen.

Was die Zeit mit einem macht, wenn sie denn mal abgelaufen ist – nun, da muss letztlich jeder selber drüber nachdenken. Eine interessante Anregung aber, möglicherweise der Beginn eines Trends, könnte nun aus England auf uns zukommen. Dort hat Harrods-Chef Mohammed Fayed nämlich gerade bekannt gegeben, was er nach seinem Ableben zu tun gedenkt. Fayed möchte sich mumifizieren lassen, sein Körper soll alsdann an einem riesigen Zifferblatt am Dach seines Kaufhauses befestigt werden. Fayed will dort fortan als Stundenzeiger seinen Dienst tun.

Die Idee hat in der Tat was Philosophisches. Es ist der Versuch, die Zeit, die über einen hinweggegangen ist, wenigstens selber noch anzeigen zu können. Es wäre, sagt ein Mitarbeiter Fayeds voller Bewunderung, „seine letzte große Geste“.

Das wäre es. Und sollte es ein Trend werden, so hat man schon die Stimmen im Ohr, die aus pragmatischen Gründen die Abschaffung der Sommerzeit fordern, weil die verdammten Stundenzeiger so schwer zu bewegen sind. Vbn

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