Politik : … wir die Besten sind

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Im Feldhandball konnte uns niemand das Wasser reichen. Man denke nur an Peter Kuß, den Bomber der Nation aus Großwallstadt: Kuß –Tor! Oder 1954. Das Wunder von Augsburg. 40000 Menschen im Rosenaustadion bejubelten am 3. August den 15:9Sieg über Schweden. Im Feldhandball wurden wir sechsmal Weltmeister. Wir waren derart Weltspitze, dass die anderen sagten: „Och, nö, da spielen wir nicht mehr mit.“ Heute gibt es keine Feldhandballweltmeisterschaften mehr, obwohl es ein schönes Wort wäre.

Und nun? Müssen wir uns jetzt grämen, weil wir nicht mehr Weltspitze sind? Ach was, es gibt so viel, wo uns niemand etwas vormacht. Nehmen wir die Formel I. Da können wir uns sogar erlauben, einen unserer Besten, Ralf Schumacher, vor die Wand fahren zu lassen. Womit wir beim Film wären. Wer gewann den Berlinale-Bär: „Gegen die Wand“. Ein deutscher Film.

Zur Politik. In puncto Oppositionsführerinnen sind wir führend, weltweit. Und Sabine Leutheusser-Schnarrenberger (FDP) hat gesagt, dass wir bei der Überwachung Weltmeister seien. Bei Doppelnamen sind wir es eh.

Wir können stolz sein auf dieses Land und auf seine Wettbewerber. Im Kirschkernweitspucken sind wir auch im Favoritenkreis, halten uns aber zurück. Derzeit findet ein unschöner Streit zwischen den amerikanischen Kirschkernweitspuckern und den Schweizern statt, weil die Amerikaner dem amtierenden Weltmeister Thomas „Steini“ Steinhauer vorwerfen, dass er immer Anlauf nimmt beim Spucken. Es geht dort nicht mit rechten Dingen zu, wir machen erst wieder mit, wenn die deutschen Tugenden wie Disziplin und Ordnung wieder etwas zählen. Dafür werden die Männer von „Gummi 03“ aus Berlin nächsten Monat in Estland alles daran setzen, dem finnischen Weltmeister im Gummistiefelweitwurf (65 Meter!) den Garaus zu machen.

Auch bei den moralischen Werten sind wir Spitze. Haben wir nicht als Erste und Einzige immer gesagt, dass die Sache mit dem Irakkrieg nichts wird? Wir haben Recht behalten. Und der Freiheitsdrang unserer Tiere ist ungebrochen, wie weltweit kein zweiter. Man denke nur an Petermann, den legendären Schimpansen, der einst dem Kölner Zoo entwischte und mit erhobener Anarchofaust durch den Volksgarten lief. Jetzt ist Bokito, der Gorilla aus dem Berliner Zoo, ausgebüxt und hat seinen Häschern gegenüber angedeutet, es wieder zu tun. Unsere Tiere, unsere Menschen, ein Land von Weltmeistern. Sollen doch die anderen ihre Europameisterschaft spielen. Phh!uem

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