Politik : ...wir Füße fesseln

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Christean Wagner, Hessens Justizminister, hat dementiert. Er hat gar keine Fußfesseln für Langzeitarbeitslose gefordert, sondern nur für langzeitarbeitslose Straftäter. Ein Berufsgauner, der lange Zeit seiner Arbeit nicht nachgegangen ist, ist der eigentlich noch Gauner? Egal. Viel wichtiger ist es, den Justizminister mit dem seltenen Vornamen zu tadeln für sein Dementi. Nicht weniger Fußfesseln sind zu fordern, mehr Fußfesseln müssen her, viele Fußfesseln. Es gibt so viele Verwendungsmöglichkeiten.

Ohne groß nachzudenken, fallen einem sofort drei Kandidaten ein, die Fußfesseln tragen sollten: Ben Tewaag, Dieter Bohlen, Marcelinho. Man wüsste doch zu gern, was die drei außerhalb der Schlagzeilen wirklich machen. Marcelinho ist dieser Fußballspieler von Hertha BSC, der stündlich die Haarfarbe wechselt und rund um die Uhr Samba in Discos tanzt. Trüge er Fußfesseln, würde er zu einer hohen Selbstdisziplin gezwungen und zur Erfüllung eines vorgegebenen Trainings und Lebensplans. Möglich aber auch, dass all die Schlagzeilen nur Pose sind, und Marcelinho in Wahrheit viel lieber daheim sitzt und seinen Kindern auf dem Klavier Chopin vorspielt. Wahrscheinlich ist auch Ben Tewaag im richtigen Leben gar nicht der prügelnde Sohn von Uschi Glas, sondern ein ordentlich gescheitelter junger Mann, der alten Frauen und Uschi Glas über die Straße hilft. Mit Fußfesseln wüsste man Genaueres. Für Dieter Bohlen ist eine Fußfessel nahezu obligatorisch. Dieter? Dieter wer? Man weiß gar nicht mehr, wer Dieter Bohlen ist, was er macht und wo er ist. Und vor allen Dingen nicht, warum. Der Mann braucht dringend eine Fußfessel. Desiree Nick ist natürlich auch eine prima Kandidatin, aber – gibt es eigentlich auch elektronische Maulsperren?

Fußfesseln indes dürfen kein Privileg für Prominente werden. Im Grunde genommen sollten auch Chefs eine Fußfessel tragen, damit man sie finden und zur Gehaltserhöhung befragen kann. Abgeordnete, das versteht sich von selbst, und nicht nur bei Florida-Wolf von der nordrhein-westfälischen FDP. Ein-Euro-Jobber nicht, die brauchen keine Fußfesseln, die haben ja schon von Berufs wegen einen strukturierten Tag. Aber Spargelstecher, GEZ-Kontrolleure, Herr Ackermann und Herr Esser, Ferfried Prinz von Hohenzollern, einem jeden seine Fußfessel. Es heißt immer, dass uns in diesem schönen Land die Disziplin abhanden gekommen ist. Mit Fußfesseln, hat Justizminister Wagner gesagt, kommt die Disziplin wieder zurück. Wir sind also ein Volk, das prädestiniert ist, Fußfesseln zu tragen. Nur Justizminister Wagner bekommt keine. Der bekommt das Modell von Frau Nick.uem

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