Politik : … wir Gruppensex haben

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Der natürliche Feind des Autos heißt Stau, denken wir. Deutschlands Wissenschaftler widmen sich deshalb mit Hingabe der Stauforschung. In der Stauforschung sind wir immer noch Weltspitze. Unsere Forscher können berechnen, in welchen Wellen sich aus dem Nichts heraus Staus bilden und in welchem Rhythmus sie sich wieder auflösen. Die Industrie hat elektronische Beifahrer entwickelt, die sich zu uns ins Auto setzen und uns sagen, wie wir fahren müssen, um nicht stecken zu bleiben.

Eine Sache aber ist den Stauforschern ein Rätsel geblieben. Warum fahren Millionen von Autofahrern jedes Mal wieder, wenn – wie heute zum Beispiel – die Ferien beginnen, in ihr Unglück wie die Lemminge? Automobilclubs warnen ununterbrochen, die Verkehrsnachrichten, live aus dem Helikopter, dauern eine Viertelstunde. Die Autofahrer wissen, dass sie chancenlos sind. Sie fahren trotzdem. Stausucht heißt das. Warum machen die das?

Schon mal dran gedacht, dass sie gern im Stau stehen? Eine Umfrage des Auto Clubs Europa hat ergeben, dass die Menschen im Stau an Sex denken wie an kein Thema sonst. Fast ein Drittel! (Nur zehn Prozent denken übrigens an die Familie; die Befragten mussten sich zwischen Sex und Familie entscheiden.) Wenn man auf der Autobahn steht und guckt nach vorn und nach hinten, dann weiß man: Einer der Nachbarn hat gerade Sex im Kopf. Oder man selbst.

Welch ungeheure sexuelle Energie wird in einem ordentlichen Ferienstau frei – das muss man sich mal vorstellen! Zwischen Berlin und Rügen feiern sie heute eine mentale Gruppensex-Party. Jammerschade, dass die ganze schöne sexuelle Energie am Ende einfach verpufft. BMW hat ausgerechnet, dass Staus in Deutschland jährlich einen volkswirtschaftlichen Schaden von 100 Milliarden Euro verursachen. Wenn die Stauforscher nun herausfinden könnten, wie sich die sexuelle Stau-Energie in Strom umwandeln lässt, hätten wir überhaupt keinen Verlust, sondern mal eben das Öl-Problem gelöst.

Wir könnten ein Sexkraftwerk bauen. Oder wir sperren einfach die Autobahn 7 von Hamburg nach Frankfurt am Main, und jeder Bundesbürger müsste sich, sagen wir: einmal die Woche, in den Stau stellen. Wir bräuchten keine Atomkraftwerke mehr, keine hässlichen Windräder. Wir wären eine glückliche und, endlich, eine sexy Nation.

Vielleicht ist der Grundirrtum ja, dass Autos zum Fahren da sind. tst

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