Politik : … wir Kampagnen reiten

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Es könnte so lauten: „Du wirst glücklich.“ Oder auch so: „Wir sind Kind.“ Möglicherweise auch so: „Kinder? Leicht gemacht!“ Der Slogan muss griffig sein, knapp, aussagestark, aufwühlend. So wie es „Du bist Deutschland!“ war. Ja, das hat doch geklappt, da ging doch ein Ruck durch Deutschland, da waren wir Deutschland, dann waren wir Papst, kurz darauf auch Franz, und dann wieder Deutschland. Die Hans-Böckler-Stiftung, das ist eine Stiftung der Gewerkschaft, hat nun herausgefunden, dass solche von der Wirtschaft initiierten Kampagnen Optimismus, Emotionen, Eigenverantwortung, Patriotismus fördern sollen. Es wird Wellen von Kampagnen geben, im Herbst schon könnte es losgehen, so begeistert waren die Kampagnemacher von sich. Wie werden die aussehen, die Kampagnen? Und wer braucht eine? Woran krankt dieses Land?

Oder besser gefragt: Was ist der Wirtschaft ein Dorn im Auge, was braucht sie von uns? Flexibilität will sie. Und Kinder natürlich, weil wir zu alt werden, und das ist nicht gut für die Wirtschaft.

Zunächst zur Flexibilität. Es muss ein Kampf geführt werden, gegen die leidige Bleibelust. Es kann nicht angehen, dass jemand ein Haus baut, und dann auch noch darin bleiben möchte. Die Slogans: „Werdet Fahrensleute!“, „Du bist Sinti!“, „Du bist Roma!“, „Die Zukunft heißt Wohnwagen!“, „Wir sind Holland!“.

Wenn wir dann alle auf die Straßen gebracht sind und kreuz und quer mit unseren Wohnwagen mit Deutschlandfahnen dran durch Deutschland zu unseren täglich wechselnden Arbeitsplätzen fahren, bei dem es natürlich passieren kann, dass wir gleich wieder rausfliegen, weil wir wegen des Staus zu spät gekommen sind, aber das macht ja nichts, dann fahren wir eben weiter, wenn die Kampagne also erfolgreich umgesetzt wurde, muss das nächste Problem angegangen werden.

Die Überalterung. Heikle Sache das. Einerseits muss natürlich der Jugendschutz gewahrt werden. Wie soll das gehen, wenn auf Plakaten und in Werbespots zur hemmungslosen Vermehrung und der dazu notwendigen hemmungslosen Kopulation aufgerufen wird? Und wenn gewiss auch schnell eine Mehrheit sich finden wird, die das Glück im Kindermachen akzeptabel nennt, wie ist es dann mit der Mühsal des Kinderhabens? Das wird ja nicht leichter, wenn Deutschlands auf diese Weise produzierte Zukunft hinten im Wohnwagen sitzt und plärrt. Aber wem so etwas Tolles eingefallen ist wie „Du bist Deutschland!“, der wird auch das Problem lösen. Wir warten auf den Herbst.uem

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