Politik : 17 Tage bei Wasser und Brot

Pentagon berichtet über Misshandlungen im Irak

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Washington/Bagdad - Spezialeinheiten der US-Streitkräfte haben nach einem Bericht des US-Verteidigungsministeriums unzulässige Verhörmethoden bei irakischen Häftlingen angewandt. Wie die „New York Times“ am Samstag unter Berufung auf eine am Vortag veröffentlichte Untersuchung schreibt, ereigneten sich die Vorfälle 2004 in einem Zeitraum von vier Monaten, lange nachdem solche Behandlungen untersagt worden waren. Dies sei der letzte von insgesamt zwölf großen Untersuchungsberichten gewesen, die sich mit angeblichen Misshandlungen durch US-Soldaten im Gefangenenlager Guantanamo auf Kuba, in Afghanistan und im Irak beschäftigten, hieß es. Es sei die erste Studie, die sich auf das Verhalten von Spezialeinheiten konzentriere.

Brigadegeneral Richard Formica schrieb in dem Dokument, die Spezialeinheiten hätten einigen Gefangenen nur Wasser und Brot gegeben, wenn diese nicht aussagebereit gewesen seien. So habe ein Gefangener 17 Tage lang nichts anderes erhalten. Andere seien sieben Tage lang in so kleinen Zellen eingesperrt gewesen, dass sie weder stehen noch liegen konnten. Laute Musik habe sie am Schlafen gehindert. Mehrere Häftlinge seien nackt mit Wasser übergossen und dann in Räumen mit Klimaanlagen oder in der Kälte verhört worden.

Dieses Vorgehen werde als falsch, aber nicht illegal eingestuft. Es sei eher auf unzureichende Personalstärke, mangelnde Aufsicht und Führung denn als vorsätzlicher Missbrauch einzustufen. Niemand sei wegen der in dem Bericht aufgelisteten Vorfälle belangt worden.

Unterdessen hat der Irak UN-Generalsekretär Kofi Annan um politischen und finanziellen Beistand ersucht. Annan will ein Programm für den Irak einleiten, wie aus einer UN-Erklärung vom späten Freitag hervorgeht. Danach war Annan vom irakischen Ministerpräsidenten Nuri al Maliki telefonisch um internationale Unterstützung gebeten worden.

Die Serie von Bombenanschlägen im Irak ging auch am Samstag weiter. Mindestens 15 Menschen kamen dabei ums Leben. Es gab zahlreiche Verletzte und hohe Sachschäden. dpa

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