Politik : 18 Millionen Zuschauer bei Köhler-Rede

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Berlin Im Fernsehjargon wird zu solchen Anlässen von einer Topquote gesprochen. Rund 18 Millionen TV-Zuschauer, was einer Reichweite von 50 Prozent entspricht, hörten und sahen am Donnerstagabend die Rede von Bundespräsident Horst Köhler mit dem überwiegend als erlösend empfundenen Ja zur Auflösung des Bundestages. Vor allem das Erste versammelte das Fernsehvolk zur Prime-Time hinter sich. Allein in der ARD verfolgten 7,46 Millionen Zuschauer die historischenWorte. Dass die lange Pausen zwischen Köhlers Ausführungen etwas mit technischen Pannen oder einem schlecht aufgebautem Teleprompter zu tun gehabt haben, mag niemand sagen. „Rhetorische Pausen“, heißt es dazu lapidar aus dem Bundespräsidialamt. Immerhin war die Pause von der Ankündigung der Rede am frühen Nachmittag bis zur Ausstrahlung lang genug für die Sender, um ihr Programm darauf abzustimmen. Die Nervosität einiger Programmchefs war danach wie weggeblasen. „Man wusste ja nicht, wann und vor allem wo das abläuft, ob draußen vor einem Mikrofonwald, wie es die Amerikaner machen, oder staatstragender im Schloss, was ja mit technischem Aufwand verbunden ist“, sagte ZDF-Sprecher Walter Kehr. Das war bei Karl Carstens im Januar 1983 anders: „Da wurde wesentlich weniger ein Geheimnis um die TV-Ansprache gemacht als heute“, erinnert sich der damalige „heute-journal“-Moderator Klaus Bresser.

Anders als damals hatten die Zuschauer diesmal die Qual der Wahl unter den TV-Kanälen. Die ARD übertrug die kurz zuvor aufgezeichnete Rede in einem „Brennpunkt“ mit Thomas Roth als Moderator zwischen Köhler, Bundestagspräsident Wolfgang Thierse und später Bundeskanzler Gerhard Schröder. Das ZDF schaltete zu einem „Spezial“ ebenfalls nach Berlin. Sat1 unterbrach das laufende Programm für eine 15-minütige Sondersendung, und auch RTL übertrug die Rede in voller Länge. Außerdem waren die Kanäle Phoenix, n-tv und N24 dabei. meh/sag

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