2000 Tage BER-Nichteröffnung : Und täglich grüßt der Koma-Bau

Das Dasein des BER als ewige Baustelle folgt aus dem fortgesetzten Verstoß gegen die Vernunft. Geschichte wiederholt sich eben doch. Ein Kommentar.

Immer nur "fertiger und fertiger", aber leider weiterhin nicht fertig: der BER in Schönefeld.
Immer nur "fertiger und fertiger", aber leider weiterhin nicht fertig: der BER in Schönefeld.Foto: dpa

Es ist wie ein Fluch, der über der ewigen Baustelle liegt: Immer dann, wenn alles auf einem guten Weg zu sein scheint, ein neuer Eröffnungstermin in Aussicht gestellt wird, folgt der nächste Rückschlag, von dem selbst Fachleute selten sagen können, welche Kettenreaktion er auslöst.

Und so ist es auch diesmal, genau 2000 Tage nach der verschobenen Eröffnung von 2012 und 21 Tage vor der nächsten Verkündung. Anders als bisher bekannt, haben der Tüv und die Genehmigungsbehörde neue, dramatische Mängel festgestellt, die inzwischen selbst eine Eröffnung im Jahr 2020 als reichlich überambitioniert erscheinen lassen.

Geradezu skurril wirkt da der Blick zurück auf das Geschehen vor genau einem Jahr: Da beteuerten der damalige Geschäftsführer Mühlenfeld und der damalige Aufsichtsratschef Müller unisono, eine Eröffnung 2017 sei möglich. Aus heutiger Sicht eine absurde Erwartung. Aber natürlich ist es kein Fluch, der den BER zu einem Dasein als Koma-Bau verdammt, sondern der mutwillige, fortgesetzte Verstoß gegen die praktische Vernunft, die einem unter normalen Umständen hilft, aus Erfahrung zu lernen.

Mängel in der Kontrolle wurden nie wirklich geheilt

Und so ergeht es dem BER wie Bill Murray in „Täglich grüßt das Murmeltier“: Hier wiederholt sich Geschichte eben doch. Selbst bei den Personalwechseln in den Führungspositionen lassen sich gleiche Muster verfolgen, die Mängel in der Kontrolle wurden nie wirklich geheilt, strukturelle Fehler werden wiederholt, ausführende Firmen verdienen seit Jahren sogar noch zusätzlich an ihrer Minderleistung.

Das ganze Ausmaß des Desasters lässt sich erkennen an Abrechnungen wie der von Siemens, bei der Nachträge am Ende das Zehnfache der ursprüngliche Auftragssumme ergeben. Sogar die weisen Worte, mit denen immer neue Hoffnungen und ewig alte Enttäuschung von den Verantwortlichen jeder Epoche kommentiert werden, ähneln einander verblüffend, wie auch die Appelle und Ankündigungen nach jedem Wechsel, jetzt gehe es aber wirklich los.

Dass der BER „fertiger und fertiger“ wird, wie Ex-Geschäftsführer Hartmut Mehdorn schon vor Jahren sagte, ist jedenfalls eine kühne Behauptung, bezogen auf die vergangenen 2000 Tage.

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