Politik : 30 Tote bei religiösen Zusammenstößen auf den Molukken

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UN-Friedenstruppen haben im westlichen Hochland von Ost-Timor mit einer militärischen Operation begonnen, nachdem es wiederholt zu Angriffen durch pro-indonesische Milizen gekommen war. Die UN wirft der indonesischen Armee vor, dass sie trotz anders lautender Erklärungen weiterhin die Milizen in West-Timor unterstützt oder deren Gewaltaktionen duldet. Zusätzliche UN-Soldaten sollen nun in die Grenzregion zu West-Timor entsandt werden. Zudem wurde für Teile der Inselhälfte eine erhöhte Sicherheitsstufe veranlasst.

Allein in der vergangenen Woche hat es drei schwere Zwischenfälle gegeben. So wurde ein Dorf rund 60 Kilometer südwestlich von Dili, der Hauptstadt Ost-Timors, attackiert. Zehn Häuser wurden niedergebrannt. Bei einem weiteren Angriff wurden zwei Ost-Timorer getötet. Zuvor beschossen Milizen einen UN-Aufklärungshelikopter, wobei ein Soldat aus Neuseeland verletzt wurde.

Die UN-Übergangsverwaltung für Ost-Timor, UNTAET, beabsichtigt nun, in den betroffenen Grenzregionen Pufferzonen einzurichten. UNTAET-Sprecher Manuel Almeida de Silva erklärte, die UN sei besorgt, dass die zuständigen indonesischen Militäreinheiten nicht in der Lage oder willens seien, die Milizen auf indonesischem Territorium zu kontrollieren. Sie erlaubten den Milizen weiterhin, die Grenze ungehindert zu passieren, um die Bevölkerung in Ost-Timor zu terrorisieren.

Friedensnobelpreisträger Jose Ramos Horta, Vizepräsident des ost-timorischen Widerstandsrates CNRT, bezweifelt nicht, dass das indonesische Militär in die jüngsten Angriffe der Milizen auf Ost-Timor verwickelt sei. Solange die indonesische Regierung nicht erkenne, dass es in ihrem eigenen Interesse sei, die Milizen in West-Timor zu entwaffnen und zu verhaften, werden diese fortfahren, von dort aus zu operieren, sagte Ramos Horta. Offensichtlich gebe es in West-Timor immer noch Offiziere und Soldaten der indonesischen Armee, die ein Interesse daran haben, Ost-Timor zu destabilisieren.

Pro-indonesische Milizen, von der indonesischen Armee ausgebildet und bewaffnet, hatten nach dem Unabhängigkeitsreferendum im August 1999 mehrere Hundert Ost-Timorer getötet, rund 200 000 Menschen nach West-Timor deportiert und den Großteil der Infrastruktur in Ost-Timor zerstört. Nach dem Einmarsch der internationalen Friedenstruppen in Ost-Timor Ende September 1999 sind die meisten Milizen nach West-Timor geflüchtet.

UNTAET-Militärkommandant General Jaime de los Santos und der Chef der politischen Abteilung in Ost-Timor, Peter Galbraith, sind unterdessen in die indonesische Hauptstadt Jakarta gereist, um gegen Indonesiens Versagen zu protestieren und zu fordern, die Angriffe der Milizen zu unterbinden.

Bei neuen Zusammenstößen zwischen Christen und Moslems auf der Molukken-Insel Halmahera wurden unterdessen nach amtlichen Angaben in dieser Woche mindestens 30 Menschen getötet. Indonesiens staatliche Nachrichtenagentur Antara meldete am Freitag, im Ostteil der Insel hätten sich Einwohner aus fünf christlichen und moslemischen Dörfern bekämpft. Dabei seien seit Mittwoch auch Dutzende Menschen verletzt worden, während etwa 150 Häuser in Flammen aufgingen.

Dem Konflikt zwischen Christen und Moslems auf den Molukken sind nach indonesischen Angaben seit Januar 1999 mehr als 2000 Menschen zum Opfer gefallen. Auf Halmahera haben die Auseinandersetzungen nach Angaben der Regierung in Jakarta auch einen politischen Hintergrund, weil sich dortige Führer um das Amt des Gouverneurs der Nord-Molukken streiten.

Die neuen Unruhen auf Halmahera gelten dort als die blutigsten seit der letzten Welle der Gewalt Ende Januar. Nach unbestätigten Berichten sollen Moslems unlängst das christliche Dorf Totowongie mit Benzin überschüttet und in Brand gesteckt haben.

Im vorwiegend moslemischen Indonesien sind viele Christen Indonesier chinesischer Abstammung. Die Molukken waren vor Ausbruch der jetzigen Unruhen eine Oase friedlicher Koexistenz zwischen beiden Religionen. Nach Fernsehberichten wurden auf den Molukken seither ganze Orte abgebrannt. Zehntausende Menschen sind geflohen.

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