45. US-Präsident Donald Trump : Der Imperator gibt kein Pardon

Donald Trumps erste Rede im Amt hat gezeigt, welcher Geist von jetzt an herrscht. Das Amerika, wie er es repräsentiert, kommt zuerst, immer und überall. Gegnern macht er Angst.

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Kämpferische Antrittsrede: Donald Trump als US-Präsident
Kämpferische Antrittsrede: Donald Trump als US-PräsidentFoto: Reuters/Carlos Barria

Nun ist er es, der eine. Donald Trump, der 45. Präsident der USA, feierlich auf den Stufen des Kapitols ins Amt eingeführt und vereidigt. So wahr ihm Gott helfe.

Und uns. Seine Rede, die erste im Amt, hat gezeigt, welcher Geist von jetzt an herrscht. Das Amerika, wie er es repräsentiert, kommt zuerst, immer und überall. Pardon wird nicht gegeben. Die uramerikanische Vorstellung, auserwählt zu sein, ist zurück. Neue Zeiten sollen anbrechen? Alte Zeiten sollen zurückkehren.

Das Land, wie Donald Trump es sieht: am Boden, in seinem Stolz verletzt, mit Grabsteinen verfehlter Politik am Wegesrand und Abermillionen Menschen, die von pflichtvergessenen Staatsführern im Stich gelassen wurden. Bis er kam. Ein Land ohne Perspektive, regiert von einem Establishment, das weit entfernt ist von dem, was nottut.

Wie es klang: Ihr da oben, wir hier unten – und das aus dem Munde eines Milliardärs ohne jede politische Erfahrung. Eines Mannes aus dem goldenen Turm. Und das Gesicht von Barack Obama gerann zur Maske.

Denn keiner auf dieser Welt ist mächtiger als Donald Trump. Niemand sonst gebietet zur gleichen Zeit über eine sowohl wirtschaftliche als auch militärische Supermacht. Die Macht des amerikanischen Präsidenten ist groß, ist real. Und Trump will sie nutzen, sie anwenden, für alles mögliche, für neue Jobs, Infrastruktur aller Art – aber auch gegen alle, die er als Gegner ansieht. Die Vorstellungen dieses Präsidenten führen zu einer Restauration. Von Renovierung ist nicht die Rede.

Wie er kommuniziert, macht seinen Gegnern Angst

Wäre das Gesagte vom Gestus her nicht antiintellektuell gewesen – man könnte meinen, Trump hätte Carl Schmitt gelesen. Und dann bedient sich der 70-jährige Präsident auch noch der modernsten, der jüngsten Mittel der Massenkommunikation, um seine Version von Führung auszuüben: Er kommuniziert direkt mit dem Volk. Wie er es tut, macht seinen Gegnern Angst. Was er sagt, auch den Freunden Amerikas. Weltweit.

Trumps Aggressivität fördert die Zweifel an der notwendigen Begabung, zu sich selbst auf Distanz zu gehen, sich selbst kritisch reflektieren zu können. Da spricht ein Imperator, einer, der Washington eingenommen hat. Im alten Rom wurden siegreiche Feldherrn noch beim Triumphzug von einem Priester oder Sklaven gemahnt: „Bedenke, dass du sterblich bist.“ Eine Warnung vor Hybris. Wer tut es bei ihm?

Donald Trumps Pläne klingen so, als wolle er sich auf jeden Fall, um jeden Preis unsterblich machen. Er scheut den Streit nicht nur nicht, er sucht ihn. Weil er sich davon Vorteile verspricht? Er sagt es in seiner ersten Rede nicht, aber er brauchte es auch nicht zu sagen: Ob China oder Europa, ob Nafta oder Nato, ob TPP oder TTIP, ob WTO oder Fed, vor ihm ist nichts sicher. Trump zieht in Zweifel, um im Zweifel einen besseren Deal für sein Amerika zu bekommen. Freihandel wird zum Synonym für freies Handeln, Bündnisse kennt er nur zum eigenen Nutzen.

Während der Amtseinführung kam es in Washington zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten.
Während der Amtseinführung kam es in Washington zu gewaltsamen Auseinandersetzungen zwischen Polizei und Demonstranten.Foto: AFP

Hunderttausende demonstrierten bereits gegen diesen einen, diesen aus allen rechten Kandidaten Ausgewählten. Er ist der Präsident der anderen. Sie finden: Er ist ein Auserwählter. Anhänger und Gegner – nach dieser Rede werden sie noch härter aufeinanderprallen als im Vorfeld der Inauguration. Sie mussten mit Tränengas getrennt werden. Was da geradezu paradigmatisch wirkt, ist dieses Bild: die Tränen und der Kampf einer Bevölkerung mit sich selbst. Was mag wohl daraus werden?

Lachen, weinen, warnen, mahnen, jubeln, verzweifeln, hoffen, abwarten – dieser Tage war alles zu sehen und zu hören, kam die Rede auf Trump. Er selbst redet davon, Botschafter derer zu sein, die einen Wandel wollen. Der Wandel, den er will, wenn seinen Worten zu trauen ist, ist radikal.

Die Wahlen in den Niederlanden, in Frankreich, in Deutschland, auf alles das wirkt dieser eine ein. Ein amerikanischer Präsident wirkt immer weltweit. Europa, Brexit, Syrien, die Flüchtlingsfrage. Und am Wochenende tagt die Internationale der Rechtspopulisten.

Die führenden Medien in den USA haben Trump geraten, die Amtseinführung zu genießen. Für die Zeit danach haben sie ihm den Kampf angesagt. Dass er ihn annehmen wird – keine Frage. So denkt Donald Trump: Wirst du geschlagen, musst du umso härter zurückschlagen. Auge um Auge, Zahn um Zahn. Das ist des Alten Testament.

Trump verstellt sich auch am Tag der Amtseinführung nicht

Dass er „schockierend ehrlich“ sei, war zu lesen. Richtig, Trump verstellt sich nicht. Auch nicht am Tag seiner Amtseinführung. So kann man ihn lesen: Er will schockieren. Er will verunsichern. Er glaubt, dass ihm Überlegenheitsgebaren Vorteile verschafft. So wie ihm Distanz zu sich selbst fehlt, fehlt ihm die Begabung zur Bescheidenheit. Zum Brückenbau. Das hat er bis heute nicht gelernt.

Für ihn ist es vom Chef des Trump-Imperiums zum „Chairman USA“ nur ein kleiner Schritt – für die Menschheit, die ihm dabei zugesehen hat, ein großer. Mit seiner Inauguration ist es, als komme da einer von einem anderen Stern. Wie sagt der Milliardär George Soros? „Ein Blender und Hochstapler und Möchtegerndiktator“ sei dieser Trump. Er werde scheitern. Wer darauf wetten will…

Wie es nun wirklich wird? Wo am Lincoln Memorial vor Jahren Hunderttausende Barack Obama feierten, verloren sich Zehntausende, als Donald Trump mit ihnen feiern wollte. Das ficht den nicht an. Denn er ist an der Macht. Sein Wort wird Gesetz.

Aber von oben blickt Abraham Lincoln auf ihn herab. Der legendäre Präsident wusste: „Alles geht vorüber – wie unterschiedlich ist doch die Bedeutung dieses Satzes! In einer glücklichen Stunde wirkt er ernüchternd, angesichts von Kummer und Schmerz hingegen tröstlich: Alles geht vorüber.“

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