Politik : 4500 australische Soldaten warten auf UN-Mandat

Nach der Zustimmung Indonesiens zur Stationierung internationaler Friedenstruppen in Ost-Timor läuft seit Montag der Countdown für deren Entsendung. Die Vereinten Nationen sprachen angesichts der verzweifelten Lage von etwa 200 000 Flüchtlingen von einem "Wettlauf gegen die Zeit". Im indonesischen West-Timor, wohin Zehntausende von Ost-Timorern zwangsweise umgesiedelt wurden, spitzte sich die Lage dramatisch zu. In Surabaya kam es zu anti-westlichen Protesten.

Vor allem Australien drückt bei der Entsendung von Friedenstruppen nach Ost-Timor aufs Tempo. Ministerpräsident John Howard sagte am Montag am Rande des Apec-Gipfels in Auckland: "Wir sind bereit, und zwar schnell." Die ersten Soldaten könnten schon einen Tag nach der notwendigen Resolution des Weltsicherheitsrates nach Ost-Timor in Marsch gesetzt werden. Mit der Entsendung der ersten Truppen wurde jedoch nicht vor dem Wochenende gerechnet.

Australien hat etwa 4500 Soldaten in Darwin, nur eine Flugstunde von Ost-Timor entfernt, in Bereitschaft. Auch zahlreiche andere Länder, darunter Neuseeland, Großbritannien und Frankreich, erklärten ihre Bereitschaft zur Mitwirkung bei einer Friedenstruppe. Die USA haben vor allem logistische Unterstützung in Aussicht gestellt. Voraussetzung für die Aufstellung der UN-Truppe ist ein Mandat des Weltsicherheitsrates, das für Montag oder Dienstag erwartet wurde.

Der britische Außenminister Robin Cook forderte Indonesien auf, nicht gegen eine internationale Truppe zu arbeiten. Britische Soldaten könnten innerhalb einer Woche im Rahmen einer Friedenstruppe in Ost-Timor eingesetzt werden. "Ich hoffe, dass es nicht länger dauert, aber wir müssen sicher sein, dass Jakarta den Verpflichtungen nachkommt, die man gestern eingegangen ist", sagte Cook am Montag. "Wir müssen wissen, dass die 20 000 indonesischen Soldaten neben uns arbeiten und nicht gegen uns, wenn wir einrücken."

Unterdessen verschärfte sich die dramatische Lage von Zehntausenden von Flüchtlingen nach den Massakern in Ost-Timor weiter. Die Gewalt griff am Montag auch auf die indonesische Nachbarprovinz West-Timor über. Bewaffnete Milizen terrorisierten dort mit Schusswaffen den Grenzbezirk Atambua, wo sich etwa 40 000 Vertriebene aufhalten. Ein Milizionär sagte, in den Flüchtlingslagern werde nach ost-timorischen Unabhängigkeitskämpfern gefahndet. "Wir suchen Ratten, die als Flüchtlinge getarnt aus Ost-Timor gekommen sind."

Nach Angaben von UN-Mitarbeitern, indonesischen Journalisten und anderen Informanten dürfte es in West-Timor schon etwa 100 000 Vertriebene aus Ost-Timor geben. Ein Teil der Flüchtlinge soll gewaltsam von Soldaten und Milizen nach West-Timor verschleppt worden sein. Berichte, Frauen würden dabei von ihren Männern getrennt, lösen bei ausländischen Diplomaten und anderen Beobachtern in Jakarta Befürchtungen aus, ein Teil der männlichen Bevölkerung Ost-Timors könnte massakriert worden sein.

Der aus Ost-Timor vertriebene katholische Bischof und Friedensnobelpreisträger Carlos Belo, der am Montag mit Papst Johannes Paul II. zusammentraf, begrüßte Jakartas Einwilligung in die Entsendung einer Friedenstruppe.

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