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5000 gefälschte Anträge : Millionenbetrug mit Holocaust-Entschädigungen

In den USA ist ein groß angelegter Betrug mit deutschen Holocaust-Entschädigungsgeldern aufgedeckt worden. 17 Personen sind inzwischen angeklagt worden, unter ihnen sechs Angestellte des Holocaust-Fonds.

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Bei der Entschädigung jüdischer Naziopfer in den USA ist es offenbar zu Veruntreuungen in Höhe von über 42 Millionen Dollar gekommen. Die New Yorker Staatsanwaltschaft hat Anklage gegen 17 mutmaßliche Betrüger, darunter sechs Mitarbeiter der Jewish Claims Conference (JCC), erhoben. Nach Ermittlungen des FBI haben sie in den vergangenen 16 Jahren in rund 5600 Fällen Namen, Geburtsdaten und andere Unterlagen gefälscht, um Menschen zu entschädigen, die nicht zu den Naziopfern gehören. Ein Teil der ausgezahlten Summen floss dann an die Angeklagten zurück.

Die Manipulationen betreffen nach Angaben der „New York Times“ russischsprachige Einwanderer im Raum New York; im Mittelpunkt steht die ukrainische Gemeinschaft im Vorort Brighton Beach, der den Spitznamen „Little Odessa“ trägt. Die Betrüger hatten Anzeigen in russischsprachigen Lokalblättern geschaltet mit dem Angebot, bei Anträgen auf Entschädigung für Naziopfer zu helfen. Die tatsächlichen Lebensläufe wurden dann so verfälscht, dass sie die Entschädigungskriterien erfüllten. Dafür wurden Geburtsdaten geändert, falsche Fotos verwendet und Fluchtgeschichten erfunden. So wurde, zum Beispiel, aus einem Mann, der im Krieg in Leningrad studierte, das zwar von deutschen Truppen eingeschlossen war, aber nie erobert wurde, ein angeblich 13-jähriges Schulkind in Kiew, das dort verfolgt wurde.

Die Betrügereien betrafen zwei Programme der JCC. Erstens den so genannten Fonds für Härtefälle, der Menschen entschädigt, die vor den Nazis geflohen waren und dafür eine Einmalzahlung von etwa 3600 Dollar bekommen können. Die Ermittler fanden annähernd 5000 gefälschte Anträge aus den Jahren 2000 bis 2009. Dieser Schaden beläuft sich auf 18 Millionen Dollar. Das andere Programm heißt „Artikel 2“-Fonds und entschädigt Menschen, die in ein Ghetto, Gefängnis, Arbeitslager oder KZ geschickt wurden. Sie können rund 400 Dollar monatliche Rente erhalten, sofern sie weniger als 16 000 Dollar im Jahr zur Verfügung haben. Hier geht es um 658 Betrugsfälle aus den Jahren 1993 bis 2009 mit einem Schaden von 24,5 Millionen Dollar.

Mitarbeiter der Jewish Claims Conference waren 2009 aufmerksam geworden, als innerhalb von zwei Wochen zwei Anträge eingingen, die nahezu identisch klangen. Bei Nachforschungen stießen sie auf weitere Unstimmigkeiten und schalteten das FBI ein. Die JCC war 1951 gegründet worden. Die rund 5600 Betrugsfälle betreffen weniger als ein Prozent der 630 000 Anträge, die sie allein in den letzten 20 Jahren bearbeitet hat.

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