Politik : Ab nach Kassel

Hans Monath

-Foto: Rückeis / Montage: DP

HINTER DEN LINDEN

Auch die mächtigsten Politiker werden manchmal von Gefühlen gebeutelt. Das gilt auch für US-Präsident Bush, wie eine Episode beweist, die der einflussreiche US-Senator Richard Lugar diese Woche beim Besuch in Berlin erzählte. Vor der „Deutschen Gesellschaft für Auswärtige Politik“ berichtete der Republikaner, wie ihm Bush im Weißen Haus einmal ganz persönlich erklärte, warum er sich von Kanzler Schröder im Konflikt um den Irak-Krieg getäuscht fühlte. Bush wies auf einen Stuhl im „Oval Office“ und sagte zu dem Senator: „He sat there and said that“ („Er saß da und sagte es“). Was genau Schröder seinem Gastgeber laut Bush im Jahr vor dem Irak-Krieg versprochen hatte, verriet Lugar nicht. Amerikanische Diplomaten streuen gern die Version, der Deutsche habe signalisiert, seine Regierung werde das Thema aus dem Wahlkampf heraushalten. Aber sehr anschaulich schilderte Lugar, wie er spürte, dass der mächtigste Mann der Welt persönlich schwer enttäuscht war: „An der steigenden Temperatur merkte ich, wie sehr ihm das zu schaffen machte.“

Der Chef des Auswärtigen Ausschusses im Senat hat zu Deutschland eine besondere Beziehung, weil sein Vorfahr Adam Lugar aus Hessen stammt. Der kam nicht freiwillig in die Neue Welt: Der Kurfürst von Hessen pflegte damals seine Untertanen als Söldner an England zu verkaufen („Ab nach Kassel!“), das sie in den Kampf gegen die Aufständischen in der amerikanischen Kolonie schickte. Stritt der Vorfahr des Senators im Unabhängigkeitskampf auf der falschen Seite? Der US-Politiker muss sich seines Familienerbes nicht schämen, denn zu seinem Glück erwies sich Adam Lugar als wenig königstreu: „Er desertierte.“

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