Politik : Abbas: Das verzeihen wir Israel nicht

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Tel Aviv - Einen Tag nach der Erstürmung des palästinensischen Polizeigefängnisses in Jericho durch Israels Armee haben am Mittwoch die Palästinenser mit Demonstrationen und einem Generalstreik gegen die Aktion protestiert. Palästinenserpräsident Mahmud Abbas sagte angesichts der angerichteten Zerstörungen, Israel habe ein „unverzeihliches Verbrechen“ begangen und das ganze palästinensische Volk erniedrigt. In Israel ernteten Interimspremier Ehud Olmert und die Armee überwiegend Lob für die Aktion. Die ausländischen Geiseln, die Palästinenser am Dienstag als Reaktion auf die Armeeaktion genommen hatten, kamen bis Mittwochmittag alle frei. EU und UN riefen beide Seiten zur Ruhe auf.

Israel hatte den Anführer der Volksfront für die Befreiung Palästinas, Ahmed Saadat, und fünf weitere Häftlinge in Jericho gefangen genommen. Danach war es zu heftigen Unruhen gekommen. Die Männer sollen an der Ermordung des israelischen Tourismusministers Rechavam Seevi 2001 beteiligt gewesen sein. Israel will sie selbst vor Gericht stellen, obwohl sie ein palästinensisches Gericht bereits verurteilt hat. Hohe palästinensische Politiker sehen die Aktion als schlimme Schwächung von Präsident Abbas. Israel versuche Abbas „politisch zu ermorden“, hieß es. Abbas’ Politik, die auf Verhandlungen mit Israel abziele, solle diskreditiert werden. In Israel kritisierten nur arabische Parteien und Friedensgruppierungen die Aktion. Generalstaatsanwalt Mäni Masus wird in den kommenden Tagen entscheiden, was mit den Gefangenen geschehen wird. cal

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