Abschied : Rau auf Dorotheenstädtischem Friedhof in Berlin beigesetzt

Deutschland hat mit einem Trauergottesdienst und einem Staatsakt im Berliner Dom Abschied von Johannes Rau genommen.

Berlin - Rund 80 Vertreter des Staates und engste Freunde begleiteten Raus Witwe Christina und seine drei Kinder zum Grab. Unter ihnen war auch der frühere SPD-Vorsitzende Hans- Jochen Vogel, den eine vier Jahrzehnte lange Freundschaft mit Rau verband. Anschließend wurde der Friedhof geschlossen.

Der Altbundespräsident war nach langer schwerer Krankheit am 27. Januar im Alter von 75 Jahren gestorben. Rau findet auf eigenen Wunsch auf Berlins berühmtestem Friedhof seine letzte Ruhestätte. Der idyllische, von der evangelischen Gemeinde genutzte Friedhof ist mit großen Namen aus Theater, Literatur und Geisteswissenschaften verbunden. Hier liegen unter anderem die Philosophen Georg Wilhelm Friedrich Hegel und Gottlieb Fichte, der Bildhauer Christian Daniel Rauch, die Dramatiker Bertolt Brecht und Heiner Müller.

Rund 200 Berliner hatten bei nasskaltem Wetter in Berlins Mitte von Rau Abschied genommen. Viele der Passanten am Boulevard Unter den Linden waren sichtlich bewegt. Zuvor hatten rund 1500 Gäste aus dem In- und Ausland bei einem Staatsakt im Berliner Dom Abschied von Rau genommen.

In den Trauerreden wurde der Ende Januar gestorbene achte Bundespräsident als großer Menschenfreund und bekennender Christ gewürdigt. Er habe viel für die innere Einheit Deutschlands und für das internationale Ansehen des Landes geleistet. «Johannes Rau hat sich um unser Vaterland verdient gemacht», sagte sein Amtsnachfolger, Bundespräsident Horst Köhler am Dienstag.

An der feierlichen Zeremonie im Berliner Dom, deren Details Rau, seine Frau Christina und die drei Kinder festgelegt hatten, nahmen mehr als 1500 Gäste aus dem In- und Ausland teil, darunter auch mehrere Staatspräsidenten osteuropäischer EU-Länder. Der Sarg Raus war vor dem Altar mit der deutschen Fahne umhüllt aufgebahrt. In den ersten Reihen saßen neben der Familie Rau die Spitzen des Staates. Nahezu das gesamte Kabinett mit Kanzlerin Angela Merkel (CDU) war vertreten.

Bundespräsident Köhler erinnerte bei dem Staatsakt besonders an das große Vertrauen, das Rau bei seinen Mitmenschen genossen habe: «Er warb um Vertrauen, er weckte Vertrauen, und er hat das Vertrauen nicht enttäuscht.» Rau habe nicht nur die Hochachtung seiner Mitmenschen gewonnen: «Er gewann auch ihre Zuneigung, ja ihre Herzen.» Köhler sagte: «Johannes Rau hat Deutschland vorbildlich vertreten und im Inneren zusammengehalten. Sein Einsatz für Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit wirkt fort.»

Ebenso wie Köhler würdigte der österreichische Bundespräsident Heinz Fischer den Beitrag Raus zur weiteren Versöhnung Deutschlands mit Israel: «Er hat zum Ansehen Deutschlands in der Welt ganz entscheidende Beiträge geleistet.» Der frühere SPD-Vorsitzende Hans- Jochen Vogel, den mit Rau eine vier Jahrzehnte lange Freundschaft verband, erinnerte in einer bewegenden Rede an den politischen Leitspruch Raus: «Versöhnen statt spalten.»

Es bleibe die Erinnerung an einen Menschen, der den heute weit verbreiteten Klischees über das Tun und Lassen von Politikern widersprochen habe und bei dem «Reden und Tun» übereinstimmte, sagte Vogel. Deshalb könne Rau den lebenden und kommenden Generationen ein Vorbild sein.

Der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Bischof Wolfgang Huber, sagte in seiner Predigt, es habe Rau nicht irritiert, dass er wegen der Eindeutigkeit seines Bekenntnisses als «Bruder Johannes» bezeichnet und gelegentlich auch belächelt worden sei. «Im Gegenteil: Jeder sollte wissen, woher er Zuversicht und Kraft schöpfte.»

Der frühere SPD-Chef Hans-Jochen Vogel (80) hat Altbundespräsident Johannes Rau als aufrechten Sozialdemokraten gewürdigt, der sich Zeit seines Lebens für Frieden, Gerechtigkeit, Solidarität und Mitmenschlichkeit eingesetzt habe. Es bleibe die Erinnerung an einen Menschen, der den heute weit verbreiteten Klischees über das Tun und Lassen von Politikern widersprochen habe und bei dem «Reden und Tun» übereinstimmten, sagte Vogel am Dienstag beim Staatsakt im Berliner Dom. Deshalb könne Rau den lebenden und kommenden Generationen ein Vorbild sein.

Rau war am 27. Januar nach langer Krankheit gestorben. Der Sozialdemokrat war mehr als 50 Jahre lang aktiver Politiker, von 1999 bis 2004 Bundespräsident und zwischen 1978 und 1998 Ministerpräsident Nordrhein-Westfalens. Auf eigenen Wunsch ist der Dorotheenstädtische Friedhof in Berlins Mitte seine letzte Ruhestätte. Hier liegen auch Bertolt Brecht, Heinrich Mann und Johann Gottlieb Fichte begraben. Nach dem Staatsakt fand vor dem Dom bei kalt-regnerischem Wetter ein militärisches Abschiedszeremoniell mit knapp 300 Soldaten von Heer, Luftwaffe und Marine statt. (tso/dpa)

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