Politik : Abschied von Aceh

Drei Monate nach dem Tsunami verlässt die Bundeswehr Indonesien

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Auf der braunen Metallkiste, etwas größer als ein Schuhkarton ist sie, liegt eine Deutschlandflagge. „Ich wünsche Ihnen alles Gute“, sagt Oberstarzt Dr. Wachter und überreicht Kiste und Flagge an Dr. Rus. Der Indonesier verbeugt sich und nimmt das Geschenk an, ein elektrochirurgisches Gerät zur Gefäßverschließung. „Ich bin so dankbar für Ihre Hilfe“, sagt er leise.

Die beiden Männer hatten sich Anfang Januar kennen gelernt. Dr. Rus Munander, Leiter des ZainoelAbidin-Krankenhauses in Banda Aceh, stapfte damals verwirrt durch Schlamm und Trümmer. Beides war wie eine Lawine mit dem Tsunami gekommen. Die Bauten hielten Stand, doch medizinisches Gerät und Einrichtung waren dahin. Dr. Christoph Wachter, Kommandant der Aceh-Truppe der Bundeswehr, sagte damals, dass deutsche Soldaten das Krankenhaus wieder in Gang bringen werden. Zusammen mit Helfern aus Indonesien und einem Dutzend anderer Staaten klappte das. Bundeswehr-Ärzte haben 2400 Patienten behandelt und 204 operiert, haben zwei Operationssäle sowie eine Intensivstation eingerichtet und dabei 1,4 Millionen Euro teures Material verschenkt. „In dieser Woche behandeln wir 140 Patienten stationär und täglich 400 ambulant“, sagt Dr. Rus zufrieden. Gemütlich sieht er aus, mit seinem breiten Schnauzer. Aber Dr. Rus arbeitet 16 Stunden am Tag. Und er schläft im Büro, der Tsunami hat sein Haus beschädigt.

Morgens am Krankenhaus Reden und Geschenke, nachmittags Abschlussappell auf dem Marineschiff „Berlin“, das das Landkontingent unterstützte – damit ist der Bundeswehreinsatz in Aceh beendet. Am heutigen Freitag fliegen die letzten der 630 Soldaten ab, die „Berlin“ läuft aus, nach zwei Stopps wird sie am 22. April in Wilhelmshaven erwartet. Niemand redet noch darüber, dass die Deutschen erst nach drei Wochen einsatzbereit waren, zu spät für Tsunami-Verletzte.

Im Zainoel-Abidin-Krankenhaus hat sich einiges getan, aber es bleibt noch viel zu erledigen. Helfer aus Jemen haben Rasen gelegt. Australiens Armee machte die Apotheke randvoll, die Amerikaner ließen 8000 Brillen da. OP, Radiologie, Kinderklinik – in vielen Bereichen ist wieder medizinisches Gerät, weil so viele Spenden kommen. „Doch jetzt gehen meine Freunde, die Soldaten“, meint Dr. Rus, „uns fehlt Personal.“ Der Tsunami hat 140 von 900 Mitarbeitern getötet.

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