Politik : Abschied von Box-Idol Schmeling

Deutschland hat mit einer ergreifenden Trauerfeier Abschied von Max Schmeling genommen. Der Jahrhundert-Sportler war am 2. Februar im Alter von 99 Jahren gestorben.

Hamburg (01.03.2005, 15:30 Uhr) - Über 1000 Menschen, darunter 500 prominente Persönlichkeiten aus Politik, Wirtschaft, Kultur und Sport, versammelten sich am Dienstag in der Hamburger Hauptkirche St. Michaelis, um dem einzigen deutschen Profi-Boxweltmeister aller Klassen die letzte Ehre zu erweisen. Schmeling war am 2. Februar im Alter von 99 Jahren im niedersächsischen Hollenstedt bei Hamburg gestorben. «Der Meister aller Klassen war auch ein Meister des Fairplay», sagte der für Sport zuständige Bundesinnenminister Otto Schily (SPD) in seiner Ansprache. «Ein wahrer Gentleman hat uns verlassen.»

Zu den Gästen der 75-minütigen Feier zählten unter anderen Franz Beckenbauer und Uwe Seeler, die ehemaligen Box-Weltmeister Wladimir Klitschko, Dariusz Michalczewski und Henry Maske sowie Ex-Tennis-Profi Michael Stich und Zehnkampf-Olympiasieger Christian Schenk. Auch Schauspieler Hardy Krüger, Regisseur Jürgen Roland, Verlegerwitwe Friede Springer, der frühere Regierungssprecher Peter Bönisch sowie Hamburgs ehemalige Bürgermeister Peter Schulz und Henning Voscherau waren gekommen. «Wir haben sehr schöne Stunden bei ihm zu Hause verbracht. Er hatte unheimlich viel Lebensmut. Er war sehr ehrlich, aufrichtig und an allem interessiert», berichtete der frühere Halbschwergewichtschampion Maske. Box-Manager Wilfried Sauerland war sogar an seinem 65. Geburtstag zur Feierstunde gekommen. «Jetzt liegt es an uns, im Boxen ein neues Vorbild hervorzubringen. Einen Max Schmeling haben wir nicht mehr.»

Hamburgs Bürgermeister Ole von Beust nannte Schmeling einen «hamburgischen Lausbub». «Zu aufrecht für Verherrlichung, zu bescheiden für Personenkult zeigte sich der 'Champion ohne Skandale' damit als Meister hanseatischer Lebensart», sagte von Beust und verlas eine von zahlreichen Eintragungen aus dem im Rathaus ausgelegten Kondolenzbuch: «Er war ein Vorbild an Fairness, Anstand und Menschlichkeit - ein Mensch, auf den Deutschland stolz sein kann.»

Schily erinnerte auch an die schwierige Zeit in Schmelings Karriere. «Seine großen Erfolge in Übersee machten Schmeling zum begehrten Objekt der Nazi-Propaganda. «Nicht alle Ansinnen der Diktatur wies er zurück.» Auch deshalb wurde der frühere Champion nie Ehrenbürger Hamburgs. Doch im Privaten, so hob auch Schily hervor, engagierte er sich bei der Fluchthilfe für jüdische Mitbürger und hielt an seinem jüdischen Manager fest. Er habe Rückgrat und Zivilcourage bewiesen.

Die immense gesellschaftliche Bedeutung, die Schmelings Weltmeisterschaftsgewinn 1930 erfuhr, unterstrich Prälat Stephan Reimers. «Der verlorene Krieg, die Reparationen des Versailler Vertrags, die Inflation hatten die Menschen deprimiert und tief verunsichert. Vielleicht kann man sagen, dass die unaufhaltsame Karriere des Boxsportlers Max Schmeling in der Weimarer Zeit eine ähnlich begeisternde Kraft entfachte wie das Fußballwunder von Bern 1954. Beides war für die Seele einer desorientierten Nation Balsam», sagte der Bevollmächtigte des Rates der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD).

Des im uckermärkischen Klein-Luckow geborenen Boxers gedachten auch rund 350 Athleten, die von der Deutschen Sporthilfe eingeladen worden waren. Der Präsident des Deutschen Sport-Bundes (DSB), Manfred von Richthofen, dankte Schmeling für seine großzügigen Zuwendungen an den deutschen Leistungssport, den er mit einem Millionenbetrag unterstützt habe. «Der deutsche Sport nimmt Abschied von einem Mann, der schon zu Lebzeiten Denkmal und Legende zugleich war. Die deutsche Sportfamilie verneigt sich in Dankbarkeit an seinem Grab», sagte von Richthofen. Unter anderem hat Schmeling über seinen Tod hinaus Patenschaften für zwei hoffnungsvolle Boxer auf dem Weg zu den Olympischen Spielen in Peking übernommen.

(Von Franko Koitzsch und Britta Körber, dpa) (tso)

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