Politik : Achse des Guten

Matthias Thibaut

So blank lagen die Nerven im britischen Parlament, dass sogar eine Sitzung abgebrochen werden musste. Der Juniorminister des Außenministeriums hatte einen schottischen Labour-Abgeordneten als "Apologet und Sprachrohr des Diktators Saddam Hussein" bezeichnet. "Lügner", antwortete dieser ganz unparlamentarisch. "Wir sind doch nicht die Taschenträger der USA", schimpfte eine andere Abgeordnete. Mehr als 50 Labour-Parlamentarier haben einen Antrag unterzeichnet, in dem vor einem Militärschlag gegen Bagdad gewarnt wird, der "nur die internationale Koalition gegen den Terrorismus aufs Spiel setzen würde". Es gab schon Demonstrationen auf dem Trafalgar Square.

Die Aufregung ist begründet. Tony Blair bereitet die Briten seit Wochen verbal auf Aktionen gegen Bagdad vor. "Saddam Hussein sollte die Entschlossenheit der internationalen Gemeinschaft nicht unterschätzen", schrieb er in der britischen Boulevardzeitung "Daily Express". Mahnende Stimmen von EU-Kommissar Chris Patten oder den sozialdemokratischen Regierungschefs beim Stockholmer Gipfel werden in den Wind geschlagen. In der "Times" zählte Außenminister Jack Straw die Massenvernichtungswaffen des Irak auf. Vorbei die Zeiten, wo er noch Kritik an Bushs Konzept einer "Achse des Bösen" übte.

Dem Parlament versicherte Blair, nichts sei entschieden. Aber der Irak habe UN-Resolutionen ganz klar gebrochen. "Das zwingt uns zum Handeln." Bush habe völlig recht, die Waffen des Irak auf die Tagesordnung zu setzen. Blair will eine Brücke zwischen den USA und Europa sein. Ihm zufolge haben die Ereignisse seit dem 11. September gezeigt, dass Großbritannien nicht "zwischen Europa und den USA wählen" muss. Im Fall Irak könnte dieses Axiom auf die Probe gestellt werden. "Wenn wir sagen, wir müssen das vielleicht alleine machen, meinen wir natürlich euch Briten und uns", zitierte der "Daily Telegraph" eine Quelle aus der Bush-Regierung.

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