Politik : Ärzte prangern Explosion der Verwaltungskosten an

Einen Tag vor dem zweiten Spitzengespräch mit Gesundheitsministerin Andrea Fischer (Grüne) zum Arzneibudget haben sich Ärzte und Krankenkassen einen heftigen Schlagabtausch geliefert. In scharfer Form prangerten Ärzte am Montag eine "Explosion der Verwaltungskosten" der Kassen an. Umgekehrt warfen die Kassen den Ärzten vor, nicht genügend bei Arznei- und Heilmitteln zu sparen. Das Budget reiche für 1999 völlig aus.

Trotz des Disputs hielten Vertreter von Kassen und Ärzten einen Kompromiss im Streit um das geplante "Notprogramm" der Kassenärztlichen Bundesvereinigung (KBV) für Arznei- und Heilmittel für möglich. Fischer, KBV und Kassen wollen am Dienstagabend in Bonn nach einer Einigung suchen. Der AOK-Bundesverband zeigte sich zuversichtlich, dass das "Notprogramm" mit "Wartelisten" und "Notrezepten" entschärft wird. Der Vorsitzende des Hartmannbundes, Hans-Jürgen Thomas, schätzte die Stimmung als "nicht so schlecht" ein.

Unterdessen warf die KBV den Kassen vor, Beitragsgelder für "riesige Verwaltungspaläste" und eine "aufgeblähte Personalstruktur" zu verschwenden. Die Verwaltungskosten der Kassen seien 1998 auf das neue Rekordniveau von 13,1 Milliarden Mark gestiegen. Damit seien die Kassen der "schlimmste Kostentreiber" im Gesundheitswesen, sagte Lothar Krimmel, stellvertretender KBV-Hauptgeschäftsführer, der "Welt". Seit Jahren stiegen die Verwaltungskosten stärker als die Ausgaben für Arzneien und ärztliche Versorgung, monierte Krimmel. Würden die Kassen vernünftig wirtschaften, "könnten sie jährlich drei Milliarden Mark sparen". Auch der Klinikärzteverband Marburger Bund kritisierte, seit 1989 seien die Verwaltungsausgaben um 50 Prozent gestiegen.

Die Kassen verteidigten den Anstieg und warfen der KBV vor, von den wirklichen Problemen ablenken zu wollen. Die Kassen hätten seit Anfang der 90er Jahre zusätzliche Aufgaben übernommen. Dazu gehöre unter anderem der Aufbau in den neuen Ländern, die Pflegeversicherung und die Chipkarte.

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