Affäre um Gebirgsjäger : Robbe sieht Alkoholproblem in Teilen der Bundeswehr

Alkoholexzesse in der Bundeswehr? Unter dem Eindruck der Affäre um ekelerregende Mutproben und bizarre Aufnahmerituale bei den Gebirgsjägern im oberbayerischen Mittenwald erkennt der Bundestags-Wehrbeauftragte Reinhold Robbe ein Alkoholproblem in Teilen der Truppe.

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Berlin - Der Sprecher des Verteidigungsministeriums sprach am Montag von Einzelfällen. Der Bundeswehrverband erneuerte seine Forderung nach einer Entlastung der Bundeswehrausbilder von bürokratischen Aufgaben.

In der vergangenen Woche war bekanntgeworden, dass Neulinge in der bayerischen Kaserne von Mittenwald den „Fuxtest“ über sich ergehen lassen mussten, zu dem das Essen roher Schweineleber und Saufen bis zum Erbrechen gehört. Bei den Schilderungen der Vorfälle zeige sich, dass übermäßiger Alkoholkonsum eine große Rolle gespielt habe, sagte Reinhold  Robbe (SPD) am Wochenende. „Ich habe den Eindruck, dass es bei bestimmten Truppenteilen unserer Bundeswehr nach Dienstschluss ein Alkoholproblem gibt, das wir entschieden bekämpfen müssen.“ „Komasaufen“ dürfe es bei der Bundeswehr nicht geben.

Steffen Moritz, Sprecher von Verteidigungsminister Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU), hielt am Montag in Berlin dagegen, von einem generellen Problem könne man im Moment nicht sprechen und fügte hinzu, es gebe „keine Pläne, jetzt eine grundsätzliche Kommission dazu einzusetzen“, sagte er.

Bundeswehrverbandssprecher Wilfried Stolze erklärte, Spieße und Kompaniechefs beklagten sich häufig darüber, mit Urlaubsanträgen, Dienstplänen und Verpflegungsfragen zu viel Zeit vorm PC und zu wenig mit der Truppe auf dem Schieß- oder Übungsplatz zu verbringen. Eine gute Dienstaufsicht sei „das A und O“, ohne eine Entlastung der Ausbilder von „übermäßigem Papierkram“ aber sei es kaum möglich, dass sie ihrer Aufgabe als „Mutter der Kompanie“ nachkommen und sich mehr um die Truppe kümmern. Darüberhinaus dürfe nicht aus dem Blick geraten, „dass der Freizeitbereich der Soldaten sich ohnehin nicht überwachen“ lasse. Was die Soldaten außerhalb ihrer Dienstzeit machten, kriege kein Vorgesetzter mit. Michael Schmidt

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