Politik : Afghanistan: Allianz der Einzelgänger - wer im Anti-Taliban-Bündnis befiehlt

Elke Windisch

Zum Thema Online Spezial: Terror und die Folgen
Schwerpunkt: Wege jenseits der Bomben
Fotostrecke: Krieg in Afghanistan
Auf Pantoffeln latschen sie zur Front - und am Abend wieder zurück an den Herd. Geschossen wird häufig nur, wenn westliche Kamerateams dafür bezahlen. Die Nordallianz besteht, von Resten der Regierungstruppen des 1996 von den Taliban aus Kabul vertriebenen Afghanen-Präsidenten Burhanuddin Rabbani abgesehen, vor allem aus tadschikischen Bauern, aus denen der im September ermordete militärische Führer des Bündnisses, Ahmad Schah Massud, nur bedingt Krieger machen konnte: Guerilleros, die sich auf den Partisanenkrieg verstehen und Feldschlachten mit dem zahlenmäßig und häufig auch technisch überlegenen Gegner meiden. Den Weg nach Kabul bombte ihnen die US Air Force frei, strategisch wichtige Städte wie die nördliche Hauptstadt Masar-i-Scharif oder jetzt Kundus, nahm die Konkurrenz - die Milizen von Usbeken-General Abdurraschid Dostum - ein. Seine noch rund 15 000 Kämpfer umfassende Hausmacht bekam zu Sowjetzeiten eine halbwegs passable militärische Ausbildung und gilt innerhalb der Vereinigten Islamischen Front, wie sich die Einheiten der nördlichen Minderheiten aus ethnischen Tadschiken, Usbeken, Hasara und schiitischen Paschtunen selbst nennen, als Elite-Truppe. Doch selbst sie verdankt ihre Siege vor allem Praktiken, die in Afghanistan seit je her kriegsentscheidend waren: Verhandlungen mit einflussreichen Kommandeuren des Gegners, Bestechung und Sicherheitsgarantien für Überläufer. Bisher fehlen auch einheitliche Kommandostrukturen. Was gilt, ist allein das Wort des jeweiligen Feldkommandeurs, der sein Homeland wieder unter Kontrolle bringen will und dazu beliebig Bündnispartner und Fronten wechselt.

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