Afghanistan : Deutscher in der Hand von Geiselnehmern

In Afghanistan ist erneut ein Deutscher entführt worden - samt seiner Familie. Der 42-Jährige aus Bayern, der mit einer Afghanin verheiratet ist, wurde in der Provinz Herat aus dem Auto gezerrt und verschleppt.

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Baut in Afghanistan Schulen und Werkstätten auf: die Hilfsorganisation "Grünhelme". -Foto: ddp

BerlinDer Mann sei bereits am Sonntagabend von vier bewaffneten Männern in der nordwestafghanischen Provinz Herat verschleppt worden, erklärte die afghanische Polizei. Auch die afghanische Frau und das Kind des Mannes wurden nach Angaben der Hilfsorganisation Grünhelme, für die der Mann zwischen 2003 und 2004 tätig war, entführt. Laut der "Süddeutschen Zeitung" handelt es sich bei dem Entführten um den 42-jährigen Schreiner Harald K. aus dem oberpfälzischen Amberg. Unklar war zunächst, ob die Taliban für die Verschleppung verantwortlich sind.

"Er war auf dem Weg zum Haus seines Schwiegervaters. Auf einer Straße wurde er von vier unbekannten bewaffneten Männer entführt", sagte der zuständige Polizeichef Ali Chan Husseinsada aus der Provinz Herat. Die afghanischen Sicherheitskräfte seien bereits auf der Suche nach ihm. Der zum Islam konvertierte Schreinermeister ist laut der Polizei und der Hilfsorganisation Grünhelme mit einer Afghanin verheiratet und hat mit ihr ein Kind. Angaben der "Süddeutschen Zeitung", dass es sich bei dem Entführten um den 42-jährigen Harald K. aus Amberg handele, wollte der Mitbegründer der Grünhelme, Aiman Mayzek, "weder dementieren, noch bestätigen".

Nach Hilfseinsatz in Afghanistan geblieben

Der entführte Deutsche sei nach Ende seines Hilfseinsatzes für Grünhelme 2004 in Herat geblieben und habe versucht, dort eine bürgerliche Existenz aufzubauen, sagte Mazyek. Er sei am Aufbau einer Tischler-Werkstatt in der Stadt Toteschi beteiligt gewesen. "Wir sind betroffen und bestürzt und hoffen, dass die Bundesregierung alles tun wird, damit die Geiseln schnell in Freiheit kommen", erklärte er. Grünhelme errichtet im Nordwesten Afghanistan Schulen, Werkstätten und Krankenhäuser. Die Hilfsorganisation hat nach eigenen Angaben aber vor knapp zwei Jahren alle deutschen Mitarbeiter aus Angst vor Entführungen aus dem Land abgezogen.

Das Auswärtige Amt in Berlin geht nach eigenen Angaben den Hinweisen auf eine Entführung nach. "Wir bemühen uns um Aufklärung", sagte die Sprecherin, ohne weitere Details zu nennen. Auch das afghanische Außenministerium untersucht den Vorfall.

Der afghanische Handels- und Industrieminister Amin Farhang erklärte gegenüber der "Mitteldeutschen Zeitung", er kenne K. und werde sich persönlich für dessen Befreiung einsetzen. "Das ist ein sehr netter, sehr engagierter Deutsch-Muslim", sagte er der Zeitung. Er habe vor ein paar Jahren mit K. bei der Anerkennung der Grünhelme als Nichtregierungsorganisation zusammengearbeitet. Sollte sich die Entführung bestätigen, werde er "alles tun", damit K. heil und gesund herauskomme.

Letzte Geisel kam erst nach drei Monaten frei

Der Deutsche ist bereits der fünfte Bundesbürger, der in diesem Jahr in Afghanistan entführt wurde. Am 10. Oktober war der Ingenieur Rudolf Blechschmidt nach fast dreimonatiger Geiselhaft in Afghanistan freigelassen worden. Er war zusammen mit seinem Kollegen Rüdiger D. im Juli in der Provinz Wardak südwestlich von Kabul verschleppt worden. Er wurde in der Geiselhaft nach einem Kreislaufzusammenbruch erschossen.

Im Juni wurde ein deutscher Mitarbeiter der US-Entwicklungsbehörde USAid im Südwesten Afghanistans entführt und nach einer Woche wieder freigelassen. Eine deutsche Mitarbeiterin der Hilfsorganisation "ora international" wurde im August in Kabul aus einem Restaurant verschleppt. Die Polizei befreite die 31-jährige schwangere Frau bereits am Folgetag.

In der Provinz Herat war es in den vergangenen Monaten häufiger zu Übergriffen auf Nato- und US-Soldaten gekommen. Im September wurden zwei italienische Soldaten in Begleitung ihres Fahrers und ihres Dolmetschers verschleppt. Ein Einsatzkommando der Nato befreite sie anschließend gewaltsam aus der Hand ihrer Entführer. Zu Unruhen und heftigen Protesten kam es in der Region auch, nachdem bei Luftangriffen der US-geführten Koalition im Frühjahr rund 50 Zivilisten starben. (mac/AFP)

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