Politik : Afghanistan: "Die Ära der Warlords ist eindeutig vorbei"

Herr Minister[das Schicksal der Übergangsreg]

Ende Dezember vergangenen Jahres hat die afghanische Interimsregierung unter Regierungschef Hamid Karsai ihre Arbeit aufgenommen. Die Arbeit der Regierung wird jedoch dadurch erschwert, dass es nach wie vor im Osten des Landes zu schweren Kämpfen kommt. Außerdem muss die Interimsregierung die Weichen für den Wiederaufbau des Landes stellen. Knapp drei Monate nach seinem Amtsantritt bemüht sich Karsai nun um eine diplomatische Offensive, um für das vom Krieg zerstörte Land weitere Unterstützung zu erhalten. An diesem Mittwoch wird Karsai in Deutschland erwartet. Für die Außenbeziehungen ist in der Interimsregierung Abdullah Abdullah zuständig. Abdullah Abdullah ist Außenminister der afghanischen Interimsregierung. Der Arzt gilt als eine der zentralen Figuren der Nordallianz und war enger Vertrauter des ermordeten Nordallianz-Führers Achmed Schah Massud.

Herr Minister, das Schicksal der Übergangsregierung steht und fällt mit messbaren Erfolgen. Welche können Sie bisher vorweisen?

Allein das Zustandekommen unserer Verwaltung ist ein Erfolg. Die meisten Ministerien funktionieren wieder. Auch Radio und Fernsehen. Dazu kann ich auf Fortschritte in Sachen Sicherheit, Wiederaufbau, Bildung und Gesundheitswesen verweisen. Universitäten und Krankenhäuser haben ihre Arbeit wieder aufgenommen.

Im neuen Jahr, das in Afghanistan am 21. März beginnt, soll die Mehrheit der Kinder wieder zur Schule gehen. Ein reales Ziel?

Wir möchten erreichen, dass für rund eine Million junger Afghanen Lernen wieder zur Normalität wird. Für Jungen und für Mädchen, für die es in den meisten Städten bereits Schulen gibt. Das Bildungs- und Arbeitsverbot der Taliban für Frauen hatte extrem negative Folgen für Afghanistan.

Sie sprachen von Fortschritten bei der inneren Sicherheit. Doch die fortdauernden Kämpfe lassen befürchten, dass die Taliban keineswegs völlig am Ende sind und sich im Ausland neu gruppieren.

Wir haben bisher keine exakten Angaben, wie viele fliehen konnten. Sicher ist, das einige der Kämpfer von Tora Bora sich nach Pakistan abgesetzt haben.

Wie schätzen Sie gegenwärtig die Beziehungen Ihrer Regierung zu Pakistan ein, das bei der Entstehung der Taliban ja eine Schlüsselrolle spielte?

Was war, ist gewesen, jetzt zählt allein die Zukunft. Unsere Beziehungen zu Pakistan und zu allen anderen Nachbarstaaten gründen sich auf gegenseitige Achtung und die Anerkennung der Interessen der jeweils anderen Seite. Das bedeutet auch Nichteinmischung in innere Angelegenheiten.

Ein anderer Nachbar - Iran - wurde vom Westen mehrfach gerade wegen versuchter Einmischung in innerafghanische Angelegenheiten verwarnt. Zu Recht?

Iran hat uns gegen die Taliban unterstützt. Wir möchten diese Beziehungen ausbauen und gleichzeitig transparent gestalten. Wir hoffen dabei auf Verständnis bei unseren Partnern.

Die USA sind gerade dabei, ihren Konfrontationskurs gegenüber der Regierung in Teheran zu verschärfen.

Jede Eskalation der Spannungen in der Region hat direkte Auswirkungen auf Afghanis-tan. Von guten Beziehungen zwischen den USA und Iran dagegen profitieren auch wir.

Beobachter handeln Afghanistan bereits als Vermittler, sollten die Feindseligkeiten weiter eskalieren.

Wenn unsere Justiz wieder voll handlungsfähig ist, wäre das durchaus möglich.

Welche Rolle soll König Sahir Schah künftig spielen?

Diese Frage muss das afghanische Volk entscheiden.

Welche Staatsform bevorzugen Sie persönlich für Afghanistan?

Auch das muss die Stammesversammlung, die Loya Dschirga entscheiden. Ich persönlich bin für eine Republik, in der die Regionen eine größere Rolle spielen.

Weil Sie noch immer auf die Warlords Rücksicht nehmen müssen?

Wir müssen uns in Richtung auf eine konsolidierte Zivilgesellschaft hin bewegen, die die Rolle der Warlords - so viele sind das gar nicht - klar definiert. Einige von ihnen können der neuen Regierung helfen, andere können in die neuen Streitkräfte, Armee und Polizei integriert werden. Die Ära der War-lords ist eindeutig vorbei. Jetzt beginnt die Ära von Staatsbürgern mit gleichen Rechten.

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