Politik : Afghanistan: Diplomaten besuchen die "Shelter Now"-Gefangenen

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Zum ersten Mal seit der Verhaftung der acht ausländischen Mitarbeiter der Hilfsorganisation Shelter Now in Afghanistan haben westliche Diplomaten und Angehörige die Gefangenen besuchen dürfen. Nach Angaben von Augenzeugen erhielten die drei Diplomaten aus Deutschland, Australien und den USA sowie die Eltern der zwei inhaftierten US-Bürgerinnen am Montag Zugang zu dem Gefängnis in Kabul, wo die Häftlinge sitzen. Am Morgen hatte die international nicht anerkannte Taliban-Regierung der Delegation Visa für den Besuch erteilt. Die Botschaftsvertreter und Angehörigen waren daraufhin unverzüglich mit einer Sondermaschine der Vereinten Nationen von Pakistan nach Afghanistan geflogen.

Den vier Deutschen, zwei Australier und zwei Amerikanerinnen der Organisation Shelter Now und ihren 16 afghanischen Kollegen wird Missionierung für das Christentum vorgeworfen. Sie sollen nach Abschluss der Ermittlungen vor ein islamisches Gericht gestellt werden. Den Afghanen droht die Todesstrafe. Für Ausländer sind aber geringere Strafen möglich. Bereits am Sonntag hatten Mitarbeiter des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK) die Gefangenen besuchen können.

Der Delegationsleiter des IKRK, Robert Monin, sagte in der ARD, die Gefangenen würden in den nächsten Tagen medizinisch untersucht. "Bei den acht ausländischen Festgehaltenen ist alles okay", sagte Monin.

Die Taliban haben 1996 die afghanische Regierung gestürzt und kontrollieren rund 95 Prozent des Landes. Ihre Regierung wird nur vom Nachbarland Pakistan sowie von Saudi-Arabien und den Vereinigten Arabischen Emiraten anerkannt. Deutschland hat keine Botschaft in Afghanistan und unterhält Kontakte zu dem Land über Pakistan.

Taliban-Herrscher Mullah Mohammed Omar untersagte internationalen Hilfsorganisationen unterdessen die Nutzung des Internets in Afghanistan. Der am Samstag ergangene Erlass verbot mit Ausnahme der Taliban-Zentrale in Kandahar allen Behörden und nationalen Einrichtungen die Kommunikation über das globale Netzwerk. Insbesondere die Hilfsorganisationen haben bisher das Internet genutzt, um in dem Land mit nur wenigen funktionierenden Telefonverbindungen mit ihren Mitarbeitern zu kommunizieren. In dem Erlass wird keine Strafe für Verstöße gegen die Anordnung genannt. Auch nicht erklärt wird, inwiefern das Internet gegen die Gebote des Islams verstößt.

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