Afghanistan : General: Zu wenig Lufttransportmittel

Der deutsche Isaf-Stabschef Bruno Kasdorf kritisiert, dass sich die Schutztruppe nicht schnell genug verlegen lässt. Neben Lufttransportmitteln fehle auch Personal.

Sarah Kramer

Berlin - Der deutsche Stabschef im Hauptquartier der internationalen Afghanistan-Schutztruppe Isaf in Kabul, General Bruno Kasdorf, fordert angesichts der angespannten Sicherheitslage im Land mehr Lufttransportmittel für den Militäreinsatz. „Wir sind auf die Maschinen angewiesen, wenn wir unsere Truppen beweglich halten wollen“, sagte Kasdorf dem Tagesspiegel. „Leider haben wir derzeit davon zu wenig.“ Aufgrund der lückenhaften Infrastruktur wie unzureichend ausgebauten Straßen gestalte sich die rasche Verlegung von Soldaten auf dem Landweg teilweise immer noch schwierig, sagte der General. Neben Personal fehle es der Isaf für einen erfolgreichen Einsatz in Afghanistan zudem an Aufklärungsmitteln. Derzeit sind 37 Nationen mit insgesamt 40 000 Soldaten an der Nato- Mission am Hindukusch beteiligt, davon rund 3400 Soldaten aus Deutschland. Die Luftwaffe ist seit April für die Isaf-Luftaufklärung zuständig und hat dafür fünf Tornado-Maschinen zur Verfügung gestellt. Anfang des Monats hatte Kasdorf sich für die personelle Aufstockung ausgesprochen, ohne aber dafür konkrete Zahlen und einen Zeitrahmen zu nennen. An der regionalen Aufteilung der einzelnen nationalen Kontingente werde sich aber auch in Zukunft voraussichtlich nichts ändern, sagte Kasdorf.

Zum deutschen Anteil einer möglichen Ausweitung des Einsatzes wollte sich der deutsche General nicht äußern. Auch ließ er offen, ob die Bundeswehr in Zukunft für die Mission zusätzliche Transportflugzeuge – beispielsweise Maschinen vom Typ Transall – zur Verfügung stellen könnte. „Wir müssen klären, welche Streitkräfte über ein entsprechendes Arsenal verfügen“, sagte Kasdorf. Allerdings kämen für den Einsatz am Hindukusch nur Flugzeuge infrage, die für die klimatischen und geografischen Bedingungen in Afghanistan konzipiert seien. So müssten die Maschinen etwa hohen Temperaturen im Sommer und den großen Höhenunterschieden im Land gewachsen sein. Vor diesem Hintergrund ist es eher unwahrscheinlich, dass deutsche Transall-Flugzeuge in Zukunft zusätzliche Truppenlufttransporte in Afghanistan übernehmen könnten: Sie wurden in erster Linie für niedrige Flughöhen und kurze Strecken konzipiert.

Die von Kasdorf geforderten zusätzlichen Aufklärungsmittel könnten sich vor allem im als gefährlich eingestuften Süden des Landes als hilfreich erweisen. Dort machen islamistische Talibankämpfer den Isaf-Truppen und der Bevölkerung das Leben schwer. Besonders aus dem Nordwesten Pakistans schleusen sich nach wie vor immer wieder Extremisten nach Afghanistan ein, um für die Taliban zu kämpfen. „Für die Paschtunen in beiden Ländern existiert die Grenze praktisch nicht“, erläutert der General. „Zwischen den Staaten gibt es immer noch Streitigkeiten darüber, auf wessen Territorium bestimmte Grenzübergangsposten liegen.“ Um für mehr Sicherheit entlang der Grenze zu sorgen, kämen die Chefs der Generalstäbe beider Seiten regelmäßig mit Vertretern der Isaf zusammen. Zudem sei es „zwingend“, den Menschen in Afghanistan eine Lebensperspektive zu geben, sagt der General. „Nur dann gibt es die Chance, dass sie sich mit Extremisten nicht mehr abgeben.“

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