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Afghanistan : Jetzt amtlich: Stichwahl zwischen Abdullah und Ghani

Afghanistans Wahlkommission hat entschieden: Der frühere Weltbank-Ökonom Ghani und Ex-Außenminister Abdullah gehen in die Stichwahl um die Nachfolge von Präsident Karsai.

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Siegessicher: Kandidat Abdullah Abdullah zwischen weniger erfolgreichen Konkurrenten nach der ersten Wahlrunde in Afghanistan
Siegessicher: Kandidat Abdullah Abdullah zwischen weniger erfolgreichen Konkurrenten nach der ersten Wahlrunde in AfghanistanFoto: düa

Diesmal werden nur zwei Namen auf den Wahlzetteln stehen: Abdullah Abdullah und Ashraf Ghani. In Afghanistan kommt es am 14. Juni zu einer Stichwahl um die Nachfolge von Präsident Hamid Karsai, nachdem kein Kandidat in der ersten Wahlrunde am 4. April die notwendige absolute Mehrheit erreichte. Dies gab die Wahlkommission am Donnerstag bei Vorlage des Endergebnisses bekannt. Danach bekam der früheren Außenminister Abdullah Abdullah mit 45 Prozent zwar klar die meisten Stimmen, verfehlte aber die notwendige 51-Prozent-Marke. Damit sieht die Verfassung ein Duell mit dem Weltbank-Ökonomen Ashraf Ghani vor, der mit 31,6 Prozent auf Platz zwei landete.

Ein Vertrauter des Noch-Präsidenten ist für Abdullah

“Da keiner der Kandidaten mehr als 50 Prozent bekommen hat, gehen die Wahlen in die zweite Runde”, sagte der Vorsitzende der Wahlkommission, Mohammed Yousuf Nuristani. In den Wochen zuvor hatten die zuständigen Kommissionen Betrugsvorwürfe untersucht und das Endergebnis bereinigt. Dieses weicht kaum von ersten Zahlen ab.

Die Kommission gab zunächst nicht bekannt, wie viele Stimmen sie annulliert hat. Damit blieb auch das Ausmaß der Wahlmauscheleien im Dunkeln. Entscheidend ist, dass die beiden Favoriten das Ergebnis akzeptieren. Abdullah hatte wiederholt erklärt, er sei überzeugt, bereits im ersten Durchgang gewonnen zu haben.

In der ersten Wahlrunde waren noch acht Kandidaten angetreten. Die Favoriten mühen sich nun, die Verlierer und ihre Anhänger auf ihre Seite zu ziehen. Im Gegenzug werden Regierungsämter oder andere Zugeständnisse versprochen.

Der Drittplatzierte Zalmay Rassoul hat bereits angekündigt, sich hinter Abdullah zu stellen, damit die Wahl “nicht auf ethnischer Basis entschieden wird”. Rassoul, der als Vertrauter Karsais gilt, ist ein Paschtune, die die die größte Bevölkerungsgruppe stellen. Er heimste 11,4 Prozent der Stimmen ein.

Sollten Rassouls vornehmlich paschtunische Anhänger tatsächlich für Abdullah stimmen, dürfte dieser den Sieg fast in der Tasche haben. Abdullah wird aber den Tadschiken zugerechnet, weil er Mitglied der Nordallianz war. Rassouls Anhänger könnten daher auch zu Ghani wechseln, der ein ethnischer Paschtune ist.

Am 5. April hatten viel mehr Afghanen gewählt als 2009

Viele hoffen, dass der weniger chancenreiche Kandidat seine Kandidatur am Ende noch zurückzieht, um dem Land eine Stichwahl zu ersparen. Diese bedeutet nicht nur organisatorisch und finanziell eine immense Last. Die Wähler müssten erneut ihr Leben riskieren. Trotz Drohungen der Taliban waren am 4. April über sieben Millionen Afghanen wählen gegangen. Das waren laut offiziellen Angaben 50 Prozen als 2009.

Der Wahlsieger wird Karsai ablösen, der nach zehn Jahren nicht mehr antreten durfte. Es ist der erste demokratische Machtwechsel in der Geschichte des Landes. Auf den neuen Präsidenten warten gewaltige Herausforderungen. Ende des Jahres ziehen die Nato-Truppen ab und Afghanistan muss selbst den Kampf gegen die Taliban führen. Abdullah und Ghani haben bereits zugesichert, bei einem Sieg einen Militärdeal mit den USA zu unterzeichnen. Dieser sieht vor, dass die USA für mindestens zehn Jahre noch 10 000 Truppen am Hindukusch stationieren darf.

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