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Afghanistan : Mindestens 24 Tote bei Taliban-Angriff auf Restaurant

Blutiger Selbstmordanschlag im Diplomatenviertel der afghanischen Hauptstadt Kabul: Mindestens 24 Menschen wurden getötet. darunter Mitarbeiter der UN und der EU. Der Angriff galt laut Taliban gezielt auch Deutschen.

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Afghanische Sicherheitskräfte sichern den Anschlagsort.
Afghanische Sicherheitskräfte sichern den Anschlagsort.Foto: Reuters

Bei dem Terroranschlag auf ein bei internationalen Gästen beliebtes Restaurant in der afghanischen Hauptstadt Kabul sind mindestens 24 Menschen getötet worden, unter ihnen 13 Ausländer. Behauptungen der radikalislamischen Taliban, die Attacke am Freitagabend im Diplomatenviertel habe auch deutschen Restaurantbesuchern gegolten, konnte das Auswärtige Amt nicht verifizieren. Der Krisenstab in Berlin hielt es nach intensiven Nachforschungen am Samstag aber für nicht sehr wahrscheinlich, dass Deutsche unter den Toten sind.

Der Anschlag ist der schlimmste auf die internationale Gemeinschaft in Kabul seit mehr als einem Jahrzehnt. Unter den Opfern sind zwei Amerikaner, zwei Briten, zwei Kanadier, zwei Libanesen, ein Däne und offenbar auch mehrere Russen. Sie arbeiteten für internationale Zivilorganisationen wie die Vereinten Nationen oder die europäische Polizei-Ausbildungsmission Eupol. Auch der Landesdirektor des Internationalen Währungsfonds in Afghanistan, der 60-jährige Libanese Wadel Abdallah, kam ums Leben. Acht Opfer des Anschlags waren Afghanen, unter ihnen fünf Frauen.

Das Restaurant „Taverne du Liban“ liegt im Botschaftsviertel und war streng bewacht. Am Freitagabend sprengte sich ein Selbstmordattentäter an der Stahltür am Eingang in die Luft und schaltete dadurch die Wachposten aus. Dann stürzten zwei Komplizen in das Restaurant ein und schossen um sich. Auch der Besitzer des Restaurants wurde nach Angaben der örtlichen Polizei getötet, als er sich den Angreifern in den Weg stellte. Die Attentäter selbst starben später bei einem Schusswechsel mit Sicherheitskräften.

Augenzeugen berichteten von furchtbaren Szenen. „Ein Mann kam schreiend durch die Tür und fing sofort an zu schießen, einer meiner Kollegen wurde getroffen“, sagte der Koch Abdul Madschid. „Ich rannte auf das Dach und sprang auf das Nachbargrundstück.“ Ein Kollege von ihm flüchtete durch die Hintertür in den ersten Stock, musste aber später zur Identifizierung der Leichen in das Lokal zurück. „Überall war Blut, auf den Tischen, auf den Stühlen. Die Angreifer müssen ihre Opfer aus nächster Nähe erschossen haben“, erzählte er. Ein Sprecher der Taliban bezeichnete den Angriff als Vergeltung für einen US-Luftangriff in der Provinz Parwan, bei dem vor kurzem zahlreiche Zivilisten ums Leben gekommen waren. Er behauptete, Ziel der Attentäter seien ausdrücklich auch Deutsche gewesen.

Die Tat stieß weltweit auf Empörung. UN-Generalsekretär Ban Ki Moon verurteilte sie ebenso wie die EU-Außenbeauftragte Catherine Ashton „auf das Schärfste“. Solche Anschläge auf Zivilisten seien ein „abscheulicher Bruch der internationalen Menschenrechte“, sagte Ban. Außenminister Frank-Walter Steinmeier (SPD) und sein kanadischer Kollege John Baird äußerten sich bestürzt über den „feigen Anschlag“. Der Kommandeur der Nato-Truppen in Afghanistan, Joseph Dunford, sprach den Angehörigen der Opfer sein „tiefes Mitgefühl“ aus.

Afghanistans Präsident Hamid Karsai verurteilte das Attentat scharf ebenfalls, gab allerdings der Nato indirekt eine Mitverantwortung. Es dürften nicht „Terroristen und Opfer verwechselt“ werden, erklärte Karsai unter Anspielung auf zivile Opfer bei Nato-Einsätzen. „Wenn die von den USA angeführten Nato-Truppen Partner und Alliierte der Afghanen sein wollen, dann müssen sie den Terrorismus bekämpfen.“ Die USA und Afghanistans Nachbarland Pakistan könnten zum Friedensprozess in Afghanistan beitragen, sagte der Präsident, allerdings brauche dies eine klare Strategie, wer für den Frieden sei und wer dagegen: „Das Opfer von Terror und das Element des Terrors als strategische Verbündete zu betrachten ist eine Politik, die im vergangenen Jahrzehnt zahllose Opfer gefordert hat und erfolglos war.“

Der Anschlag nährt die Sorge, dass Afghanistan nach dem Abzug der internationalen Kampftruppen Ende diesen Jahres in Chaos versinken könnte. Die internationale Gemeinschaft will ab 2015 nur noch Ausbildung und Unterstützung für die afghanische Armee leisten. Die Verhandlungen mit Karsai über die Nachfolgemission für die Schutztruppe Isaf sind noch nicht abgeschlossen. Die geplanten Präsidentschaftswahlen im Frühjahr verschärfen die Spannungen zusätzlich. Die Taliban haben angekündigt, den Wahlgang sabotieren zu wollen. Auch außerhalb von Kabul gibt es keine Anzeichen für eine dauerhafte Beruhigung des Konflikts. Im Einsatzschwerpunkt der Bundeswehr in Nordafghanistan hat die Zahl der sicherheitsrelevanten Vorfälle zuletzt wieder zugenommen, auch in der Nähe des letzten deutschen Feldlagers in Masar-i-Sharif.

(mit dpa)

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