Politik : Afghanistan: Rabbani stimmt Übergangsregierung zu

Bei der Afghanistan-Konferenz nahe Bonn ist das drohende Scheitern abgewendet worden. Der amtierende afghanische Präsident Burhanuddin Rabbani hat unter starkem Druck der Vereinten Nationen am Samstag der Ernennung einer Übergangsregierung zugestimmt. Er werde einen "Führungsrat" mit "zwölf bis 25 Persönlichkeiten" akzeptieren, teilte Rabbani in Kabul mit. Keine personellen Entscheidungen werde es dagegen für einen vorläufigen parlamentsähnlichen Rat geben.

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Der Führungsrat solle sich aus "Spezialisten und Technokraten" zusammensetzen. Weil Rabbani bisher eine namentliche Festlegung auf eine Übergangsregierung ablehnte, waren die Verhandlungen blockiert. Die Nordallianz hatte zuvor angekündigt, notfalls auch gegen den Widerstand Rabbanis einer Einigung zuzustimmen.

Nachdem sich die vier Delegationen bereits auf die Mitglieder der politischen Übergangsgremien geeinigt hatten, hatte Rabbani am Freitag in der afghanischen Hauptstadt Kabul erklärt, es werde in Bonn keine Personalentscheidungen geben. Rabbani gab raschen Wahlen in Afghanistan den Vorzug vor der geplanten Bildung einer Übergangsregierung. In der Nacht zum Samstag berieten die Teilnehmer bis 3 Uhr früh über einen Ausweg. Die Bitte der Nordallianz um einen Aufschub von zehn Tagen wurde von anderen Delegationen abgelehnt.

Rabbani, der die Konferenz von Kabul aus verfolgt, wird nach wie vor von der Uno als Präsident Afghanistans anerkannt. Junis Kanuni, der Verhandlungsführer der Nordallianz, gehört einer jüngeren Generation von Politikern an und gilt als Gegenspieler Rabbanis. Der Uno-Sprecher Ahmed Fawzi sagte, er sei weiter zuversichtlich, dass die vier Parteien in der Samstagnacht eine Einigung erzielen würden. "Wir suchen immer noch eine Formulierung, die für alle akzeptabel ist, bis zum Ende des Tages", sagte er.

Wie aus Verhandlungskreisen verlautete, telefonierte Außenminister Joschka Fischer bereits am Freitag mit seinem russischen Amtskollegen Igor Iwanow und bat ihn um einen stärkeren Druck auf Rabbani. Auch UN-Verhandlungsführer Lakhdar Brahimi sprach nach Angaben eines Tagungsteilnehmers Freitagnacht mit dem amtierenden afghanischen Staatschef, um ihn von der Notwendigkeit eines Kompromisses bei der umstrittenen Macht- und Ämterverteilung zu überzeugen.

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