Afghanistan : Seoul: Taliban lassen südkoreanische Geiseln bald frei

Die radikalislamischen Taliban in Afghanistan wollen nach Angaben der Regierung in Seoul alle 19 südkoreanischen Geiseln freilassen, die sich noch in ihrer Gewalt befinden. Steigen damit auch die Chancen für die deutsche Geisel?

Seoul Wann genau die Geiseln freigelassen werden, ist bislang unklar. Da die Geiseln in kleineren Gruppen festgehalten würden, könne die Freilassung einige Tage dauern, berichtete die südkoreanische Nachrichtenagentur Yonhap unter Berufung auf einen Taliban-Sprecher.

Die Entführer der Südkoreaner hätten der Freilassung unter der Bedingung zugestimmt, dass Seoul seine Truppen in Afghanistan vor Jahresende zurückziehe und die Missionstätigkeiten südkoreanischer Christen in dem Land unterbinde, sagte ein Sprecher des Präsidialamts. Südkorea hatte bereits zuvor den Rückzug seiner knapp 200 Soldaten aus dem Land beschlossen.

Zuvor gab es Berichte, wonach Taliban-Chef Mullah Omar bei den Entführern zugunsten der Geiseln interveniert habe, was von den Geheimdiensten bestätigt wurde. Omar gehört neben dem Terroranführer Osama Bin Laden zu den meistgesuchten Terroristen der Welt. Er wird wie Bin Laden im afghanisch-pakistanischen Grenzgebiet vermutet. 17 der Südkoreaner sind Frauen. "Da gibt es jetzt eine Wende, weil Omar die Entführer daran erinnert hat, dass die Taliban nach dem Koran kein Recht haben, Frauen in den Kampf gegen die Ungläubigen hineinzuziehen", erläuterten die Geheimdienstler.

Omar soll seine Gesinnungsgenossen offenbar aufgefordert haben, eine Lösung für die Geiseln zu finden. "Wir haben kein Recht, die Ehre von Frauen zu stören", soll Omar erklärt haben. Die südkoreanische Regierung hatte in direkten Verhandlungen mit den Taliban versucht, die Geiseln freizubekommen.

Bessere Chancen für deutsche Geisel?

Mit einer Freilassung der südkoreanischen Geiseln steigen möglicherweise auch die Chancen für die deutsche Geisel Rudolf B.. Das Schicksal des am 18. Juli entführten deutschen Bauingenieurs hängt nach Darstellung afghanischer Regierungsvertreter von der Entwicklung im Fall der Südkoreaner ab. "Da gibt es Zusammenhänge, die aber immer noch nicht richtig zu durchblicken sind", erklärte ein Geheimdienstler. Aus Kreisen der afghanischen Regierung verlautete, dass schon mehrere Male mit seinen Entführern eine Einigung zu seiner Freilassung erzielt worden sei. Doch in letzter Minute hätten die Entführer ihre Zusagen zurückgezogen. Die Gründe dafür sind nicht bekannt geworden. Rudolf B. hatte in einem Video erklärt, dass die Zeit für ihn ablaufe. Es gehe ihm sehr schlecht. Afghanische Ärzte hatten angeboten, den Deutschen in seinem Versteck in den Bergen zu betreuen. Die Kidnapper reagierten nicht.

Unterdessen wurden bei einem Selbstmordanschlag im Osten Afghanistans drei Soldaten der Internationalen Schutztruppe Isaf getötet und sechs weitere verletzt. Die Nato-geführte Isaf teilte mit, die Soldaten hätten an einem Brückenbauprojekt gearbeitet, als der Selbstmordattentäter sich in die Luft sprengte. Zur Nationalität der Soldaten machte die Isaf wie üblich keine Angaben. In Ostafghanistan sind vor allem US-Truppen stationiert. Erst am Montag waren in der ostafghanischen Provinz Kunar drei Soldaten der US-geführten Koalitionstruppen und zwei afghanische Sicherheitskräfte getötet worden.  (mit dpa/ddp)

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