Politik : Afghanistan: Taliban drohen Nachbarstaaten mit "massivem Angriff"

Elke Windisch

Die Taliban drohen ihren Nachbarstaaten Rache für den Fall an, dass sie die USA in möglichen Vergeltungsschlägen unterstützen. Unter Berufung auf Quellen in Islamabad meldete die russische Nachrichtenagentur Interfax, die Taliban hätten Staaten, die ihr Hoheitsgebiet für einen Luftkrieg oder eine Operation des Heeres zur Verfügung stellen, mit "massiven Angriffen" gedroht.

Akut gefährdet sind die schwachen Ex-Sowjetrepubliken Turkmenien, Usbekistan und Tadschikistan. Dazu kommt, dass auf Seiten der Taliban rund 5000 Anhänger der islamischen Bewegung Usbekistans (IMU) kämpfen, deren erklärtes Ziel der Sturz der laizistischen Regierungen im ehemals sowjetischen Zentralasien ist. Einschlägigen Ambitionen verlieh die IMU 1999 und 2000 mit spektakulären bewaffneten Einfällen auf das Fergana-Tal Nachdruck. Die Region gilt als Hochburg des Islam in Zentralasien und wegen schwelender Konflikte zwischen Usbeken, Tadschiken und Kirgisen, die aus der willkürlichen Grenzziehung resultieren, als permanenter Unruheherd.

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Osama bin Laden: Amerikas Staatsfeind Nummer 1 gilt als der Hauptverdächtige Bisher fungierte die Nordallianz, die sich vor allem auf Truppen der 1996 gestürzten Regierung stützt und momentan 10 Prozent Afghanistans kontrolliert, als Puffer zwischen den Taliban und den Ex-Unionsrepubliken. Damit könnte es jedoch schon bald vorbei sein: Am Freitag gab die afghanische Botschaft in Moskau offiziell bekannt, dass der Führer der Taliban-Gegner Ahmad Schah Massud (48) an den Folgen des Attentats vom letzten Sonntag verstorben ist. Mit ihm aber steht und fällt das heterogene und von Profilierungsneurosen seiner Führer gebeutelte Bündnis.

Russland droht unter diesen Auspizien ein zweiter Afghanistankrieg, der unabsehbare innenpolitische Folgen haben kann: Das am meisten gefährdete Tadschikistan, das auch nach dem offiziellen Ende des Bürgerkriegs 1997 extrem instabil ist und noch dazu eine über elfhundert Kilometer lange und wegen des bergigen Reliefs kaum zu kontrollierende Grenze zu Afghanistan hat, ist Mitglied des von Moskau dominierten GUS-Vertrages über kollektive Sicherheit. Der aber verpflichtet, ähnlich wie die Nato-Abkommen, die Partner zu militärischem Beistand im Falle der Aggression gegen ein Mitglied.

Zwar sagte der tadschikische Premierminister Akil Akilow, sein Land werde sich mit Moskau abstimmen, bevor es der Nato einen Luftkorridor zur Verfügung stellt. Und Russlands Verteidigungsminister Sergej Iwanow sieht "nicht einmal eine hypothetische Grundlage dafür, dass die Nato Basen auf dem Gebiet der GUS benutzen darf".

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