Politik : Afghanistan: Taliban-Führer will Kandahar übergeben

Einen Tag nach der Einigung auf eine Übergangsregierung für Afghanistan sind die Taliban zur Aufgabe ihrer letzten großen Bastion bereit. Nach den Worten des früheren Taliban-Botschafters in Pakistan, Abdul Salam Saif, will der Führer der radikalislamischen Miliz, Mullah Mohammed Omar, die Hochburg Kandahar übergeben. Bereits an diesem Freitag soll mit der Übergabe begonnen werden. Die Taliban seien als politische Bewegung am Ende, sagte der Botschafter. "Wir sollten nach Hause gehen." Das Abkommen vom Petersberg stieß indes bei zwei führenden Anti-Taliban-Vertretern auf Ablehnung und Skepsis.

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Den afghanischen Taliban solle Amnestie gewährt werden, sagte der künftige Chef der afghanischen Übergangsregierung, Hamid Karsai. Das gelte aber nur für die "gewöhnlichen" Personen und nicht für Taliban-Anführer Mullah Mohammed Omar. Er müsse sich öffentlich vom Terrorismus distanzieren. Karsai zufolge ist nicht bekannt, wo sich Omar und Terroristenchef Osama bin Laden aufhielten. In Kandahar sind seit Tagen vermutlich mehrere tausend Taliban-Kämpfer und Al-Qaida-Terroristen eingekesselt. In der Nähe warten 1000 US-Elitesoldaten auf einen Einsatzbefehl. Karsais Milizen meldeten die Einnahme des Flughafens.

Der Usbekenführer General Abdul Raschid Dostum kündigte indes den Boykott der neuen Regierung an, da seine Gruppe nicht ausreichend in ihr vertreten sei. "Wir geben den Boykott dieser Regierung bekannt und werden so lange nicht nach Kabul gehen, bis dort eine vernünftige Regierung im Amt ist." Die Vereinbarung sei eine Demütigung, sagte Dostum. Er habe für seine Fraktion das Außenministerium gefordert, stattdessen aber die Ressorts Landwirtschaft, Bergbau und Industrie bekommen. Dostums Miliz kontrolliert große Gebiete im Norden Afghanistans. Ein geistlicher Führer der Paschtunen, Sajed Ahmad Gailani, bezeichnete die Verteilung der Ministerien in der Übergangsregierung als ungerecht.

Die Nato sicherte den USA ihre Unterstützung im Kampf gegen den Terrorismus zu, will sich als Allianz jedoch nicht mit Truppen in Afghanistan engagieren. In Deutschland zeichnete sich eine Mehrheit für die Beteiligung an einer Blauhelmmission ab. Verteidigungsminister Scharping (SPD) allerdings verwies auf die begrenzten Mittel der Truppe. Zwar habe Deutschland Interesse an der Bekämpfung des Terrorismus, "vor allem aber haben wir begrenzte personelle, militärische und finanzielle Mittel, mit denen wir haushalten müssen", sagte er der FAZ.

Zehn führende Mitglieder des amerikanischen Kongresses forderten US-Präsident George W. Bush indes auf, den Kampf gegen den Terrorismus auf den Irak auszuweiten. Zu den Unterzeichnern des Briefes gehören einflussreiche Abgeordnete beider Parteien. Die Bedrohung, die vom Irak ausgehe, müsse "beseitigt" werden. Die Verfasser hätten keinen Zweifel daran, dass Saddam Hussein das ABC-Waffen-Programm "wiederbelebt" habe. Der Brief gilt als ein weiteres deutliches Indiz für die Vorbereitung der Amerikaner auf die "Phase zwei" des Anti-Terrorkiegs.

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