Afghanistan : Taliban richten schwangere Frau hin

09.08.2010 16:00 Uhr

Die Taliban schrecken die Welt mit einer neuen Horrornachricht aus Afghanistan auf: Aufständische sollen eine Schwangere erschossen haben, die gegen den strikten Moralkodex der Gotteskrieger verstieß.

Radikal-islamische Taliban haben im Westen Afghanistans nach Angaben der Polizei eine schwangere Frau hingerichtet. Der Vize-Polizeichef der Provinz Badghis, Dschabar Saleh, sagte der Nachrichtenagentur dpa am Montag, ein Taliban-Gericht habe die 40-Jährige Witwe namens Bibi Sanawbar für schuldig befunden, durch eine unerlaubte Affäre schwanger geworden zu sein.

Sanawbar sei zunächst drei Tage eingesperrt worden, sagte Saleh. Danach sei sie mit 200 Hieben ausgepeitscht und mit drei Schüssen in den Kopf getötet worden. Ein Taliban-Kommandeur in dem entlegenen Distrikt Kadis namens Mullah Mohammad Jusif habe das Todesurteil gefällt und die Frau am Sonntag persönlich hingerichtet.

Während ihrer Herrschaft zwischen 1996 und 2001 hatten die Taliban Menschen unter anderem in Fußballstadien öffentlich hingerichtet.

Unverheiratete Paare wurden gesteinigt. Knapp neun Jahre nach dem Einmarsch der internationalen Truppen haben die Aufständischen in den von ihnen kontrollierten Gebieten ein paralleles Rechtssystem aufgebaut, das auf ihrer harschen Interpretation des Islam basiert.

Vier Tage nach dem Mord an zehn Ärzten und Helfern in Nordafghanistan veröffentlichte die christliche Hilfsorganisation International Assistance Mission (IAM) unterdessen die Namen ihrer getöteten Mitarbeiter. Demnach handelte es sich bei dem deutschen Opfer um die 35 Jahre alte Daniela B. aus dem sächsischen Chemnitz, die als Dolmetscherin in der Gruppe arbeitete. Außerdem starben sechs Amerikaner, eine Britin und zwei Afghanen. Das Team wurde von dem Amerikaner Tom Little geführt, der nach IAM-Angaben vier Jahrzehnte Afghanistan-Erfahrung hatte.

IAM-Direktor Dirk Frans bestätigte damit am Montag in Kabul offiziell, dass es sich bei den Opfern um Mitarbeiter des Hilfswerks handelte. IAM war bereits am Wochenende davon ausgegangen, dass die eigenen Mitarbeiter betroffen waren. Frans wollte vor einer endgültigen Bestätigung aber die Identifizierung der Leichen in Kabul abwarten. Nach Angaben der Polizei waren die Helfer am Donnerstag im Grenzgebiet zwischen im Nordosten des Landes im Grenzgebiet zwischen den Provinzen Nuristan und Badachschan getötet worden.

Weiterhin blieb unklar, wer für die Tat verantwortlich war. Die Taliban hatten sich zwar zu dem Angriff bekannt, ihre Aussagen sind aber oftmals nicht glaubwürdig. In der Region operieren auch kriminelle Banden. Der UN-Sondergesandte in Afghanistan, Staffan de Mistura, äußerte sich am Montag "schockiert" über die Morde.

Frans sagte: "Ein wichtiger Faktor, der die Zukunft von IAM beeinflussen wird, ist die Frage, wer diese Morde verübt hat." Man habe die Zusage des afghanischen Innenministeriums, des US- Bundeskriminalamts FBI und anderer Ermittler, dass sie alles unternähmen, um die Täter zu finden.

Frans sagte, derzeit plane IAM nicht, sich aus Afghanistan zurückzuziehen. IAM arbeite seit 1966 in dem Land. "Es gab Zeiten, da war die Sicherheitslage viel schlimmer, als sie jetzt ist." Die Hilfsorganisation veröffentlichte am Montag auf ihrer Homepage Bilder von acht der zehn Toten.

IAM teilte mit, die Deutsche Daniela B. hinterlasse ihre Eltern und drei Geschwister. Sie sei Sprachwissenschaftlerin gewesen und habe die Landessprache Dari gesprochen. Sie sei dabei gewesen, die zweite Landessprache Paschtu zu lernen. B. habe zwischen 2007 und 2009 für IAM gearbeitet und habe sich an dieser Mission wieder beteiligt, um für Patientinnen zu übersetzen.

In der nordafghanischen Provinz Kundus stürzte unterdessen eine Drohne der Bundeswehr ab. Das unbemannte Aufklärungsflugzeug habe wegen technischer Probleme an Höhe verloren und sei beim Aufprall vollständig zerstört worden, teilte die Internationale Schutztruppe Isaf am Montag mit. (dpa)

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