• Ahtisaari geehrt: Rau fordert europäische Verfassung - Finnlands Ex-Präsident erhält hessischen Friedenspreis für Kosovo-Vermittlung

Politik : Ahtisaari geehrt: Rau fordert europäische Verfassung - Finnlands Ex-Präsident erhält hessischen Friedenspreis für Kosovo-Vermittlung

Bundespräsident Johannes Rau hat gefordert, mit der EU-Erweiterung auch eine europäische Verfassung zu schaffen. Diese müsse jedem Europäer "Stimme und Gewicht" geben, sagte Rau bei der Verleihung des hessischen Friedenspreises an den ehemaligen finnischen Präsidenten Martti Ahtisaari am Donnerstag in Wiesbaden. Zudem müsse die künftige Europaverfassung jedem Mitgliedsstaat eine gleichberechtigte Mitwirkung sichern.

"Nur so kann die erweiterte Union handlungsfähig bleiben", sagte Rau. "Nur so können wir ein europäisches Bewusstsein erreichen, das effektives europäisches Handeln möglich macht." Der Bundespräsident betonte, eine wirtschaftliche und politische Verflechtung schaffe Sicherheit: "Ein darauf gegründeter europäischer Sicherheitsraum kann Waffenarsenale reduzieren und Hochrüstung obsolet machen."

Ahtisaari wurde für seine Arbeit als internationaler Vermittler im Kosovo-Konflikt geehrt. Durch die Mission Ahtisaaris und des ehemaligen russischen Ministerpräsidenten Viktor Tschernomyrdin war der Krieg im vergangenen Jahr beendet worden. Rau sagte in seiner Laudatio, der frühere finnische Präsident habe "das Tor für den Eintritt Südosteuropas in die europäische Wertegemeinschaft geöffnet". Der Bundespräsident erinnerte an die Leistungen des Finnen, der im Auftrag der Vereinten Nationen bereits Anfang der 90er Jahre mehrfach im ehemaligen Jugoslawien tätig war.

Rau sagte, Ahtisaari, der in den 70er Jahren auch im Namibia-Konflikt vermittelt hatte, habe nicht nur international Frieden gestiftet, sondern als finnischer Staatspräsident auch Entscheidendes für die Annäherung von West- und Osteuropa geleistet: "Wir ehren in Ihnen einen Mann, der für Europa eine Brücke ins Baltikum und nach Russland geschlagen hat."

Ahtisaari rechtfertigte in seiner Dankesrede erneut das militärische Eingreifen der Nato im Kosovo-Konflikt. "Hätte man der jugoslawischen Führung erlaubt, ihre Pläne im Kosovo ungestraft durchzusetzen, wäre dies eine zweifelhafte Botschaft gewesen", sagte der ehemalige Staatspräsident. Er sprach sich dafür aus, im Kosovo bald freie Wahlen durchzuführen. Dies sei eine Voraussetzung dafür, um die Verantwortung für die lokale Verwaltung der einheimischen Bevölkerung übergeben zu können. Der Hessische Friedenspreis wird seit 1994 verliehen. Zu seinen Trägern zählen der russische Ex-General Alexander Lebed und der Nordirland-Vermittler George Mitchell.

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