Alkoholismus : Der Staat kassiert mit bei der Sucht

3,3 Milliarden Euro nimmt der Staat jedes Jahr über die Alkoholsteuer ein. Ginge nur ein Bruchteil davon an Hilfsorganisationen wie Nacoa, dann wäre viel gewonnen. Doch lieber behält der Staat das Geld für sich. Ein Kommentar.

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Alkohol ist in der Gesellschaft weitaus anerkannter als andere Drogen. Dennoch: Jährlich sterben dadurch 2,5 Millionen Menschen.
Alkohol ist in der Gesellschaft weitaus anerkannter als andere Drogen. Dennoch: Jährlich sterben dadurch 2,5 Millionen Menschen.Foto: Stephen Wood/Science Photo Libra

Schon mal was von Nacoa gehört? Richtig, klingt ähnlich wie narkotisch, also berauschend. Und genau damit hat Nacoa Deutschland viel zu tun. Es ist die Interessenvertretung für Kinder, die in ihren Familien am Alkoholismus ihrer Eltern leiden. Eines von sechs Kindern soll davon betroffen sein, insgesamt sind es weit mehr als zwei Millionen Kinder. Vor wenigen Tagen hat Nacoa in Berlin sein zehnjähriges Gründungsjubiläum begangen. Der Verein ist die offizielle Partnerorganisation der amerikanischen „National Association for Children of Alcoholics“. Die gibt es schon seit mehr als 30 Jahren. Sie verfügt über viele Mitarbeiter und ist finanzstark.

Bei uns jedoch ist nicht einmal sicher, wie stabil Nacoa noch im kommenden Jahr sein wird. Der Verein bekommt keinen Cent vom Staat, nur wenige Projekte werden von Krankenkassen finanziert. Gäbe es nicht einige rastlose Ehrenamtliche, von denen viele einschlägige Kindheitserfahrungen haben, und etwa 100 Mitglieder, hätten die Kinder gar keine Lobby in der Öffentlichkeit, niemanden, der Bewusstsein schafft für ihr schweres Leben. Es ist geprägt durch Körperverletzungen, Missbrauch, emotionale Vernachlässigung mit lebenslangen Schäden.

Ja, traurig, aber ändern lässt sich da wohl nicht viel. Menschen neigen eben zu Süchten. Aber sie neigen auch dazu, Probleme anzupacken, wie wir sehen. Nur werden sie in diesem Fall ausgebremst durch die totale Gleichgültigkeit staatlicher Stellen. Was die tun müssten, liegt auf der Hand. Insgesamt 3,3 Milliarden Euro pro Jahr spült der Alkoholkonsum in die Steuerkassen. Wenn davon nur ein Hunderttausendstel an Nacoa ginge, 33 000 Euro, könnte der Verein sich stabilisieren und breiter wirken. Sich das Leben schön saufen, das kostet in Deutschland fast die niedrigsten Alkoholsteuern im europäischen Vergleich. Also rauf mit den Abgaben und runter mit den Trinkerzahlen. Die blieben hoch genug, um mehr einzunehmen. Jeder weiß das. Politiker zuallererst. Doch die lassen sich von der Alkohollobby besoffen reden. Na dann, prosit, auf die Gesundheit der Lobbyisten.

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