Als erster deutscher Bundespräsident : Wulff hält Rede in Auschwitz

Christian Wulff hat als erster deutscher Bundespräsident eine Rede in Auschwitz-Birkenau gehalten und gemeinsam mit einem polnischen Staatsoberhaupt dort einen Kranz niedergelegt.

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Christian Wulff und der polnische Staatspräsident Bronislaw Komorowski (r). Foto: dpa
Christian Wulff und der polnische Staatspräsident Bronislaw Komorowski (r).Foto: dpa

Als erster deutscher Bundespräsident hat Christian Wulff am Donnerstag in der Gedenkstätte des ehemaligen deutschen Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau eine Rede gehalten, erstmals legten die Staatsoberhäupter Polens und Deutschlands dort am Donnerstag gemeinsam einen Kranz nieder. „Dies ist eine symbolische Geste“, betonte Polens Präsident Bronislaw Komorowski. „Es ist nicht der Anfang, aber eine wichtige Etappe auf dem Wege der deutsch-polnischen Aussöhnung“, sagte er. Wulff sei der erste nach dem Krieg geborene Präsident Deutschlands – auch deshalb komme dem gemeinsamen Gedenken eine besondere Rolle zu, unterstrich der 1952 in Schlesien zur Welt gekommene Pole. Die Nachkriegsgeneration trage das Gedenken weiter.

Komorowski spielte auch auf polnische Ängste an, die Amtsübernahme des erst 51-jährigen Christian Wulff könnte Deutschland geschichtsvergessen machen. Seit einiger Zeit hört man in Polen immer wieder den Vorwurf, die Deutschen würden den Zweiten Weltkrieg wieder verdrängen oder gar sich selbst als Opfernation darzustellen versuchen – wofür etwa die CDU-Politikerin und Vertriebenenpräsidentin Erika Steinbach steht.

Wulff zeigte am Donnerstagvormittag im polnischen Oswiecim (deutsch: Auschwitz) gegenüber Jugendlichen aus Polen und Deutschland vor allem Menschlichkeit. Seine Kirchgemeinde habe sich in unmittelbarer Nähe eines jüdischen Gotteshauses befunden, erzählte er. Er habe sich immer gefragt, weshalb die jüdische Gemeinde so wenige Mitglieder habe – und die Antwort, dass die Nazis alle Juden ermordet hätten, habe ihn tief bewegt. Er sprach auch von tiefer „Scham und Trauer“, die er beim Gedenken an die ermordeten Juden, Polen und Roma empfinde. Komorowski legte in der Jugendgedenkstätte ein Zeugnis der weit verbreiteten polen-zentristischen Sicht ab: Statt von jüdischen Nachbarn seiner Eltern erzählte er von einem von Nazi-Kollaborateuren ermordeten Onkel. Sein Vater habe dennoch gehofft, im Krieg möglichst keine Deutschen getötet zu haben, fügte er pazifistisch an.

Nach den Gedenkfeierlichkeiten eröffnete Polens Staatssekretär und berühmtester ehemaliger Auschwitz-Häftling Wladyslaw Bartoszewski eine Sammelaktion für die „Auschwitz-Birkenau-Foundation“, die mit den Zinsen auf 120 Millionen Euro Kapital die vom Verfall bedrohte Gedenkstätte mit 155 Gebäuden und 300 Ruinen erhalten will. Bisher hat Polen sie allein finanziert. Der Diebstahl der Lagertoraufschrift „Arbeit macht frei“ vor einem Jahr legte gravierende Sicherheitsmängel und die Geldnot der Stätte offen. Deutschland hat der Stiftung 60 Millionen Euro in fünf Raten bis 2015 zugesagt, weitere 20 Millionen kommen aus Österreich, den USA und anderen Staaten.

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