• Alternative für Deutschland (AfD): Frauke Petry: AfD-Austritt von Bernd Lucke nur konsequent
Update

Alternative für Deutschland (AfD) : Frauke Petry: AfD-Austritt von Bernd Lucke nur konsequent

Bernd Lucke, abgewählter Chef der AfD, tritt aus der Partei aus. Er wolle nicht als bürgerliches Aushängeschild für Vorstellungen missbraucht werden, die er ablehne, sagte er. Dabei gehe es insbesondere um ausländerfeindliche Ansichten. Nach Luckes Austritt verlassen immer mehr Mitglieder die AfD.

Verlässt die AfD: Parteigründer Bernd Lucke.
Verlässt die AfD: Parteigründer Bernd Lucke.Foto: dpa

Ex-AfD-Chef Bernd Lucke tritt nach dem verlorenen Machtkampf aus der Partei aus. Er wolle nicht als bürgerliches Aushängeschild für Vorstellungen missbraucht werden, die er grundsätzlich ablehne, teilte der Mitbegründer der Alternativen für Deutschland (AfD) am Mittwoch mit. "Dazu zählen insbesondere islamfeindliche und ausländerfeindliche Ansichten." Er habe zu spät erkannt, dass immer mehr Mitglieder in die Partei drängten, "die die AfD zu einer Protest- und Wutbürgerpartei umgestalten wollen". Kommenden Freitag werde er aus der AfD austreten.
Am Wochenende unterlag Lucke auf dem AfD-Parteitag bei der Vorstandswahl seiner Konkurrentin Frauke Petry, die einen rechtspopulistischen Kurs einschlagen will. Die 40-Jährige appellierte an die AfD-Mitglieder, in der Partei zu bleiben und beteuerte, die AfD werde bei ihren Wurzeln bleiben.

Bernd Lucke und seine Anhänger beraten Neugründung einer Partei

Nach Luckes Angaben sind seit dem Wochenende über tausend Mitglieder aus der AfD ausgetreten. Der von Lucke initiierten Verein "Weckruf 2015" will diese Woche entscheiden, ob er kollektiv die AfD verlässt und eine neue Partei gründet. Die AfD hat nach Parteiangaben rund 23.000 Mitglieder, der Weckruf nach eigenen Angaben gut 4000 Anhänger.

Am Donnerstag wurde bekannt, dass weitere Mitglieder die Alternative für Deutschland verlassen. Eine Gruppe von AfD-Mitgliedern aus dem Berliner Bezirk Marzahn-Hellersdorf erklärte den Bruch mit der Partei. In einer Erklärung hieß es: "Die AfD ist nicht mehr die Partei, für die wir uns begeistert und eingesetzt haben." Man hoffe auf einen Neuanfang gemeinsam mit Lucke außerhalb der Alternative für Deutschland. Auch mehrere Unternehmer gaben ihren Rückzug aus der 2013 gegründeten Partei bekannt. Nach Informationen der "WirtschaftsWoche" wollen unter anderem der Gründer der auf Außenwerbung spezialisierten Wall AG, Hans Wall, und der Aufsichtsratschef der Nanofocus AG aus Oberhausen, Hans Hermann Schreier, die Partei verlassen.

Umfrage: Jedes zehnte AfD-Mitglied will neue Partei von Lucke unterstützen

Etwa jedes zehnte Mitglied der AfD will eine Parteineugründung durch den ehemaligen Vorsitzenden Lucke unterstützen. Bei einer Umfrage unter den rund 4000 Mitgliedern des von Lucke gegründeten Vereins "Weckruf 2015" sprachen sich diese Woche 1948 Befragte für eine Neugründung aus. Insgesamt dürfte die AfD nach der jüngsten Austrittswelle noch etwa 20.000 Mitglieder haben. Wie ein Sprecher des Vereins am Donnerstag mitteilte, beteiligten sich insgesamt 2600 Weckruf-Mitglieder an der Umfrage. 71,2 Prozent von ihnen erklärten seinen Angaben zufolge, sie würden in dieser neuen Partei auch Mitglied werden. Rund drei Viertel der Weckruf-Mitglieder, die an der Umfrage teilnahmen, erklärten, sie seien bereits aus der AfD ausgetreten oder hätten dies demnächst vor, falls Lucke die Partei verlassen sollte. 12,6 Prozent erklärten, sie seien noch unentschlossen. Knapp fünf Prozent wollten in der Alternative für Deutschland bleiben.

Die neue AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry ist nicht überrascht von der Austrittsankündigung des Parteigründers Bernd Lucke. "Der Austritt ist nur konsequent", sagte die sächsische AfD-Landeschefin am Mittwochabend der Deutschen Presse-Agentur in Dresden. Lucke habe diesen Schritt und auch die Neugründung einer Partei schon mit der Gründung des "Weckruf"-Vereins vorbereitet.

"Wenn durch den Austritt die Streitigkeiten jetzt beigelegt werden können, ist das genau das richtige Signal für uns", sagte sie.
Empört zeigte sich Petry über die Aussage Luckes, er wolle sich nicht als "bürgerliches Aushängeschild" für antiamerikanische, ausländerfeindliche und fundamental systemkritische Ansichten missbrauchen lassen. "Ich empfinde es als anmaßend, dass er die verbleibende AfD ins antibürgerliche Lager stellen will", sagte sie.

Gauland bedauert Luckes Austritt
Der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland hat die Ankündigung von Parteigründer Bernd Lucke bedauert, aus der Partei auszutreten. "Ich finde es schade, ich hätte mir gewünscht, dass er dabei bleibt und um seine Ansichten in der Partei  kämpft", sagte Gauland am Mittwoch in Potsdam. Dass Lucke mit der möglichen Gründung einer neuen Partei Erfolg haben könnte, glaubt Gauland nicht. "Bernd Lucke ist wirklich kein guter Parteiführer", sagte der Brandenburger Landesvorsitzende. "Er hat nur immer sich im Mittelpunkt gesehen und nicht die Partei, und dieser Fehler wird ihm wahrscheinlich auch wieder passieren, wenn er eine neue Partei gründet." (rtr/dpa)

» Mehr Politik? Tagesspiegel lesen + 50 % sparen!

80 Kommentare

Neuester Kommentar
      Kommentar schreiben